Seite:Wilhelm Löhe - Lebenslauf einer heiligen Magd Gottes aus dem Pfarrstande 2 Aufl.pdf/49

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sie bei JEsu Thron wieder zu finden. Der HErr wolle alles wohl machen!“ –

 19. Manchmal war sie, wenn sie schreiben wollte, arm und wußte dann nicht, was sie schreiben sollte. Dann ließ sie’s eben gehen und schrieb nicht. Manchmal war sie aber auch reich und das Bächlein holdseliger Worte ergieng sich fröhlich im grünen Wiesengrund. So z. B. am 17. Juni. Da schrieb sie, wie sie sich die Sehnsucht nach dem Bräutigam vertreibe, wie sie ihn lieben wolle, was ihr ein unbekannter und doch bekannter Freund von dem gesalbten Angesicht der Pfarrfrauen gesagt hätte, wie sie ihren Trauergeist verjagte.

 Lies, wenn du magst, was sie schrieb:

 „Gestern habe ich eine rechte Sehnsucht, glaube ich, nach Dir gehabt und habe Dich sehr oft neben mich gewünscht. Denn ich war gestern am Freitag Nachmittag mit Tante und Onkel S. nach Homburg gefahren, um Emilie zu besuchen. Unterwegs hätte ich so gern recht freudig zum HErrn beten und Ihn loben mögen, konnte aber nicht, hätte mich gern mit Dir unterhalten, konnte aber auch nicht. Da hab ich halt nur an Dich gedacht, und für Dich und mich zu Gott geseufzt. Danach hätte ich mich gern mit meiner lieben Freundin, Frau Pfarrerin P. unterhalten, die war aber nicht zu Haus. Da hab ich mich denn mit dem lieben Gott wieder allein unterhalten. Hab gebetet und gesungen