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Am 1. Sonntag nach Epiphanias.
(Nürnberg 1835.)


Luk. 2, 41–52 (siehe vorige Predigt).

 Man hat schon oft bedauert, daß von den ersten dreißig Lebensjahren JEsu so wenig Nachricht auf uns gekommen ist. Allein das heutige Evangelium zeigt uns klar, wie Seine Jugend beschaffen war: ER war ein heiliges Kind, ein heiliger Jüngling, allzeit daheim in dem, was Seines Vaters war, allzeit auch den irdischen Eltern gehorsam. Daraus können wir auch schließen, warum weiter nichts aus dem Verlauf Seiner Jugend aufgeschrieben ist: sie verlief so still und heimlich, daß Menschen nichts besonders Augenfälliges bemerken konnten. Aus der Stille der Nacht kommt eine schöne Sonne und nach ihr ein kräftiges Tagewerk: – nach einer stillen Jugend, die im Gehorsam treu war, ein edles Mannesleben. – JEsu heilige Jugend zu preisen predige ich euch heute mit Gott über unser Sonntagsevangelium. – Gott segne die Betrachtung an uns allen durch Seinen heiligen Geist um JEsu willen! Amen.




I.

 An Ostern ging jeder Israelit nach Jerusalem, und wenn die Söhne das zwölfte Jahr zurückgelegt hatten, durften sie zum ersten Male mit hinaufziehen. Da nun JEsus zwölf Jahre alt geworden war, ging auch ER mit den feiernden Scharen durch das Land, wo Milch und Honig floß und der Frühling alle seine Lieblichkeiten ausgegossen hatte, hinauf in die Stadt, darin sich die Stämme vor dem HErrn versammelten,