Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/141

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danach, was die Welt sagt und der Versucher! Gehst du zu Gott, so wird die Welt sagen: „Warum thust du das?“ Antwort: „Ich muß sein in dem, das meines Vaters ist!“ Sie und der Satan verstehen Gottes Wege nicht! Nur in Gottes Erleuchtung sieht man das Licht! Brüder! Geht ins Vaterhaus, in die Heimat, und laßt euch nicht beirren, was der Unverstand dazu spricht! – Seid ihr bei Ihm, so werdet ihr nicht wißen, wie ihr Ihn nur anderswo suchen konntet, als in Seinem Hause – und werdet so selig bei Ihm sein!


VI.

 JEsus ging, nachdem Ihn Seine Eltern gefunden hatten, mit ihnen wieder hinab nach Nazareth und war ihnen unterthan. Seine Mutter aber behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. ER aber nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

 Aus diesem letzten Teile unseres Evangeliums, geliebte Seelen, erlaubt mir, noch einige Bemerkungen zu nehmen, ehe wir auseinander gehen.

 Warum wird doch JEsus, der König aller Könige, Seinen irdischen Eltern so unterthänig, – warum erniedrigt ER sich unter sie? Und – um von da gleich einen Schritt weiter zu gehen, – warum erniedrigt ER sich überhaupt so sehr und im Fortgang Seines Lebens immer mehr? Warum steigt ER herab bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze? Warum wird kein Elender auf Erden gefunden, gegen dessen Erniedrigung die Erniedrigung JEsu nicht viel tiefer, viel schmählicher wäre? O Brüder! ER stieg in die Niedrigkeit Seines Aufenthalts zu Nazareth, um Seine armen Eltern aus dieser Niedrigkeit zu großer Hoheit hinaufzuführen. ER erniedrigte sich unter die elendesten und geplagtesten Menschen, damit auch der Elendeste an Seiner Hand emporsteigen könnte – von Seinem Elende, von Seiner Finsternis, von Seiner Sündenschuld zu JEsu seligem Licht und der Freude der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. „Wenn Ich erhöhet werde von der Erde“ – so sprach ER – „dann will ich sie alle zu