Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/149

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 d) Nichtsdestoweniger wollen einige behaupten, der Mensch werde unschuldig geboren, und pochen auf die Unschuld der Kinder. Aber auch das ist ein eitles Gerede; man kann freilich die Kinder unschuldig nennen, aber nur im Vergleich mit den schuldbeladenen Eltern – denn so viel hat freilich ein Kind nicht gesündigt, als seine Eltern, und ihnen gegenüber ist es unschuldig. Im wahren Sinn des Wortes aber kann man kein Kind unschuldig nennen, denn ehe noch ihre Sinne und ihr Geist etwas Böses, ein böses Beispiel etc. fassen können, kann ein aufmerksames Auge schon Böses erkennen, schon in den ersten Tagen ihres Lebens erkennt man an ihnen Zorn.

 e) Und noch eins, Brüder. Woher kommt’s denn, daß Gottes Wort so wenig Eingang bei Jungen und Alten findet? Woran liegt es? Es ist doch die höchste Weisheit, weil es von Gott ist, – warum erscheint es denn dem größten Teil der Menschen, nicht etwa bloß in unsern Tagen, sondern je und je, als Thorheit? Es ist doch heilig und führt den Menschen zur Heiligung, warum mag der Mensch mit ihm nichts zu schaffen haben, sich nicht von ihm leiten lassen? Es ist doch selig und seligmachend, warum nimmt es denn das Herz des unglückseligen Menschen nicht auf? – Es ist doch ein teures, aller Annahme wertes Wort, warum wird’s nicht angenommen von den Menschen? Antwort: Ist’s anders zu erklären, ist es nicht immer noch sogar für die Menschen die ehrenvollste Erklärung, zu sagen: er kann nicht, er ist zu verderbt, – mit dem Apostel zu sprechen (1. Kor. 2, 14): „Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geiste Gottes, es ist ihm eine Thorheit, und kann es nicht erkennen, denn es muß geistlich gerichtet sein“?


IV.

 Wir gehen weiter, Brüder. Es giebt eine Anzahl Menschen, welche sich folgendermaßen äußern: „Es ist wahr, ein Verderben des Menschen nach allen seinen Kräften kann