Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/152

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Schöpfer, der Vater im Himmel, hat nicht umsonst das sündenbeladene, verderbte Geschlecht erhalten, ER hat es zu einer Errettung von Fluch und Zorn aufbehalten. Der Sohn hat sich nicht umsonst mit unserm Fleische vereinigt; ER that es aber, um die Sünde im Fleische zu erwürgen – ER, der von Sünden abgesonderte, unschuldige Hohepriester, der Gott und Mensch ist, reinigt uns durch Sein Blut von unserm Aussatz! Der heilige Geist hat keine höhere Freude auf Erden, als Menschen mit Erlaß der Erbsünde und mit Glauben an Christum auszustatten, worin der Anfang eines neuen Lebens, einer Erneuerung zum verlorenen Ebenbilde Gottes besteht. Es ist wahr, die Erbsünde hat all unser Vermögen, dazu unsere Blutstropfen durchdrungen, wie Gift alle Tropfen eines Glases Wasser durchdringt, in welches es geworfen wird. Aber gleichwie es einem Chemiker oder Scheidekünstler möglich wäre, Gift und Wasser wieder zu scheiden, so ist es unserm Heilande möglich geworden, und ER hat nicht eher geruht, als bis ER es möglich gemacht hat, daß das Gift der Erbsünde aus Leib und Seele Seiner Menschen ausgesondert wurde und so das Bild Gottes wieder hergestellt. ER hat selbst alle Schwachheit der Erbsünde auf sich genommen, selbst allen Fluch der Erbsünde getragen und abgebüßt – und allen Segen Seines Büßens und Leidens in der Taufe niedergelegt. Wer getauft wird und glaubt, oder wer nur glaubt, daß seine lange vergessene Taufe als ein Gotteswerk noch jetzt Macht hat, der hat in seiner Taufe Vergebung der Erbsünde und Christi Fülle empfangen und zugleich das Mittel, die Kraft des heiligen Geistes, sein Herz zu reinigen und erneuert zu werden zum ewigen Leben. O darum, meine Brüder, so wenig der, der seine Erbsünde verlacht und vergißt, der unbußfertig ist, Vergebung der Erbsünde empfängt, so gewiß empfangt ihr durch gläubige Erinnerung und zuversichtliches Halten an eurer Taufe die Vergebung der Sünden und Macht der Erneuerung. Freuet euch, daß ihr getauft seid, ergreifet den Segen eurer Taufe, die Vergebung, die Christus erwarb für alle Sünden, vornehmlich für die Erbsünde, ergreifet den Segen eurer Taufe, die euch verheißene