Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/181

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und Hohenpriester, einen Fürsprecher bei dem Vater, JEsum Christum, den Gerechten. ER ist gerecht, auch Gottes strenges, allerheiligstes Auge findet an Ihm keinen Tadel – ER ist der geliebte, der wohlgefällige Sohn, der nie eine Fehlbitte thut, der ebensowenig vergeblich betet, als ob ER selbst alles, was ER betet, vollbrächte, ja, der in des Vaters Namen wirklich alles selbst vollbringt.

 Wie sind wir selig zu preisen, liebe Brüder, daß wir einen solchen König und priesterlichen Fürsprecher haben. Lasset uns heute miteinander fröhlich sein und von der Fürbitte unseres Erlösers reden.

 ER selbst erbitte uns aber für unsere Seelen einen Segen für diese Stunde! Amen.


I.

 Als unser Heiland in der Nacht, da ER verraten ward, von den Seinigen Abschied nahm, hob ER Seine Augen auf gen Himmel und betete für sie. ER betete nicht zunächst für die Welt, sondern für die Lieblinge Seines Herzens, für Seine Jünger. „Ich bitte nicht für die Welt,“ sprach ER, „sondern für die, die Du mir gegeben hast, denn sie sind Dein.“ Doch dachte ER nicht allein an die zwölf Apostel, die um Ihn standen, sondern ER betete auch „für die, so durch ihr Wort an Ihn glauben würden.“ ER hatte alle Zeiten im Auge, welche bis an der Welt Ende vergehen sollten, und sah im Geist die ganze Schar erretteter Gerechten; ER freute sich der Menge; „sie sind Dein,“ jauchzte ER, „und Du hast sie Mir gegeben, – Vater, ich bitte für sie!“ – Diese Fürbitte aber für die Seinigen begann ER auf Erden – und hört nicht auf, für uns bei dem Vater zu beten, auch nachdem ER zur Herrlichkeit erhoben ist, sondern ER betet fort, bis alle Seine Auserwählten gesammelt sind um Seinen Thron, bis alle Reiche der Welt-Gottes und Seines Christus geworden sind, bis der Vater geworden ist alles in allem, – bis Sein Gebet aufhören und zu einem ewigen Lobgesang werden wird, welchen mit Ihm alle Seine Auserwählten anstimmen sollen.