Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/182

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Über diese Fürbitte des ewigen Hohenpriesters freut sich die gezwölfte Zahl der heiligen Apostel. Johannes tröstet reumütige Sünder, die aber glauben, in unserm Texte so schön: „Ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, JEsum Christum, den Gerechten!“ Ermunternd spricht der Apostel zu den Hebräern (7, 25): „ER kann selig machen alle, die durch Ihn zu Gott kommen, und lebt immerdar und bittet für sie!“ Anbetend predigt er ihnen (9, 24): „Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, so mit Händen gemacht ist, sondern in den Himmel selbst, um zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns!“ Ja, aller Welt und allen Teufeln zum Trotz ruft er seinen Römern (8, 34) zu: „Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns!“ So lange das Heute dieser Welt dauert, ist Seine, des Erlösers, Liebe, eine betende, fürbittende Liebe! ER weiß, in welchen Gefahren Seine streitende Kirche auf Erden ist; ER will nicht, daß eines Seiner Schafe in denselben verloren gehe, - nein, nein! ER bittet immerdar für sie, wie für Petrus, daß ihr Glaube nicht aufhören möge!


II.

 Nun ja, lasset mich, liebe Seelen, dazu übergehen, daß ich euch einiges von dem Inhalt der Fürbitten JEsu vor Augen stelle. „Daß unser Glaube nicht aufhöre“ – das ist allerdings der Inhalt Seiner Fürbitte im allgemeinen, wie ich schon gesagt habe; aber was liegt darin alles? – Antwort, Brüder, Antwort! Alles liegt darin, was nur immer Seine Gläubigen bedürfen – ja, alles, was euch gut ist, liebe Seelen!

 1. Wenn sich ein Mensch bekehrt, so vergiebt ihm der Vater im Himmel um Christi willen alle Sünden, und Sein Herz ist fröhlich. Aber noch ist der alte Mensch nicht völlig tot, noch ist das Fleisch grün, knospet und blüht und bringt seine elenden Sündenfrüchte, noch giebt’s zu streiten, und man fällt gar manchmal ermattet dem Versucher in die Arme. Das Herz wird täglich wieder befleckt, das Gewissen