Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/186

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 Liebt ihr Ihn? – So werdet ihr auch gern sein, wo ER ist! Und da sollt ihr sein und alle Seine Herrlichkeit schauen! Freuet euch und singet:

JEsus, mein Erlöser lebt;
Ich werd auch das Leben schauen,
Sein, wo mein Erlöser schwebt,
Warum sollte mir denn grauen?
Lasset auch ein Haupt sein Glied,
Welches es nicht nach sich zieht?

 Seelen, was nützt uns doch die Fürbitte unseres HErrn JEsu Christi! Wie reich erscheinen uns schon hier, ehe wir Ihn schauen können, Seine Erhörungen – und wie wird’s uns erst dann sein, wenn wir die Erhörung im Himmel erfahren, nachdem wir Glauben gehalten, den Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, das Ziel errungen haben! So wunderbar und prächtig kann keinem auf dem Lande erzogenen Kinde ein Kaiserpalast, keinem in der Ebene wohnenden die Aussicht von dem schönsten Berge der Welt sein, – so erstaunt sein, so freuen kann sich kein Armer, dem auf einmal der größte Kaiser seines Reiches Freude und Herrlichkeit ohne alle seine Lasten schenkt, – als die Auserwählten Christi sich wundern, freuen, staunen werden, wenn sie hinkommen, wo ER ist, von allem Übel erlöst und auf ewig bewahrt, in der Wahrheit geheiligt, im Namen des Vaters erhalten, in jener Herrlichkeit sich finden, welche der ewige Fürbitter hatte von Anbeginn der Welt!


III.

 Obgleich aber der ewige Fürbitter Christus nur für die Seinen im hohenpriesterlichen Gebet auf Erden gebetet hat, so ist doch Seine Fürbitte keineswegs allein auf die Seinen beschränkt, sondern Seine Fürbitte hat nicht engere Grenzen, als Sein Mittler- und Priesteramt. „ER hat sich selbst gegeben für alle zur Erlösung“ (1. Tim. 2, 6) – für alle gilt Seine Erlösung, Seine Fürbitte begehrt den Segen der gestifteten Erlösung auch auf alle auszubreiten. ER ist also nicht allein ein Fürbitter der Frommen, sondern auch der