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Opfer haben, durch welches wir Versöhnung und Vergebung für alle Sünden ohne Ausnahme gewinnen.

 2. Da alle Menschen Sünder sind, welche durch ihre Sünden, wofern sie nicht gesühnt werden, in den ewigen Zorn versenkt werden müssen, so müssen wir ein Opfer haben, durch welches alle Sünden aller Menschen gesühnt werden. Denn wäre dies nicht, so könnte der Lügengeist der Anfechtung willkürlich auch ein frommes Herz ängstigen und quälen, als wäre es das eine, für welches kein Opfer gelte.

 3. Da alle Menschen aller Zeiten, derer vor und derer nach uns Sünder sind, so bedürfen alle eines Versöhnopfers. Ja, weil alle vor Gott in gleichen Ehren sind, daß sie nämlich vor Seinem allerheiligsten Angesichte allesamt untüchtig sind, so ist auch des gerechten und barmherzigen Gottes Ehre darin, daß ER ein Opfer verlangen muß, das für alle Sünden aller Menschen aller Zeiten genugthue.

 4. Da der Mensch nicht bloß hier auf Erden, wo er seine bleibende Stadt sucht, sondern auch dort, in der bleibenden Stadt selbst, in der Ewigkeit – ja, dort, nach aufgethanen Augen und weggenommenen Binden am meisten die Schwere, die Pein seiner Sünden fühlen kann, so muß er ein Opfer haben, das für Zeit und Ewigkeit eine Versöhnung stiftet und Vergebung bereitet.

 5. Da jede Sünde des Todes würdig ist, so ist ein ewiger, hier auf Erden in seinem Maße, Gott Lob und Dank! gar nicht zu fassender Tod, eine ewige Todespein, ein In-den-letzten-Zügen-liegen ohne Ende, eine tausendfache Qual, eine gänzliche Verlassenheit von Gott, eine unausdenkliche Strafe für alle Sünden aller Menschen aller Zeiten in Ewigkeit zu erwarten, und wir bedürfen eines Opfers, welches alle diese Strafen der Zeit und Ewigkeit wegzunehmen vermögend ist.

 6. Da ein Herz nicht zufrieden ist, seiner Strafe los zu sein, da es, um seines Lebens und seiner Ewigkeit froh zu werden, der Gnade und Liebe seines Gottes, seiner Kindschaft gewiß werden muß, so bedürfen wir eines Opfers, durch welches nicht allein die Strafe weggenommen, sondern auch die