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Schuld getilgt, Friede hier und für die Ewigkeit Seligkeit geschenkt werde.

 7. Wenn mehrere Opfer hintereinander geschähen, so wäre das ein Zeichen, daß keines vollkommen, keines vermögend wäre, auszurichten, was es soll, ein Zeichen, daß noch zu warten wäre auf das rechte Opfer, das, von Gott bereitet, alle Seelen, die da waren und sein werden auf Erden, mit ewigem Troste speisen könnte. Zur Ruhe der Seelen, zur vollkommenen Versöhnungsfreude bedarf es darum eines einzigen Opfers, das mit einem Male in Ewigkeit alle vollendet, welche geheiligt werden sollen.

 8. Ein Opfer aber, welches alle Sünden aller Menschen aller Zeiten für Zeit und Ewigkeit mit Schuld und Qual auf einmal verzehrt und mit einem Male schenkte Friede und Freude der Kindschaft allen Menschen, muß sein ein allmächtiges und ewiges, ein unermeßliches, ja, ein göttliches Opfer, und gesegnet sei der Priester, welcher solch ein Opfer bringen kann; er muß ein Mann sein, dem Ruhm und Preis und Dank in Ewigkeit gebührt!


III.

 Kann aber auch Christus ein solches Opfer leisten? Antwort: Ja. Wenn es einer kann, so ist ER es; zu Seiner Person kann man dies Vertrauen haben. Wäre ER bloß ein Mensch, ER möchte so rein und heilig, so mächtig und gewaltig sein, als es immer gedacht werden kann, so könnte man Ihm vieles zutrauen, aber nicht, daß ER ein Priester der geschilderten Art wäre, ein Priester, welcher ein allmächtiges, unermeßliches, ewiges Opfer und eine vollkommene Versöhnung aller Menschen aller Zeiten finden könnte.

 Ein Mensch mag Macht haben, so viel er will, allmächtig ist er darum nicht, kann also auch kein alle Sünden, Schulden, Strafen überwindendes Opfer leisten. Ein Mensch ist immerhin, wer er auch sei, beschränkten Wesens, seine Werke können darum nicht unbeschränkt, nicht unermeßlich sein. Ein Mensch ist von gestern her, es ist darum nicht möglich, daß er ein Opfer leiste, das wie die nachfolgenden Zeiten