Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/208

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Christi wie ein Licht auf dem Leuchtturm zu erhöhen; – wir rufen und rufen, und werden darüber zu Grabe gehen, wie viele Prediger vor uns auch; aber wir können trotz der Herrlichkeit unseres Evangeliums, trotzdem, daß es ein sicherer Port unglückseliger Herzen ist, doch nur selten die Freude haben, daß die Menschen sich wenden von der Sünde zu unserm Wort, und vom Reich des Satans zu Gott, daß sie selig würden.

 O Brüder, die ihr den Gauklern, den Schwätzern, dem Trunk, allen Lastern mehr Raum gebt als uns, mehr Eingang verstattet in eure Herzen als Christo, der für euch ein Opfer geworden ist, wie weh thut es mir, zu sagen, daß einst diese meine Hände, welche hier so oft Kreuz und Segen über euch gezeichnet haben, sich wider euch erheben müssen, darum, daß ihr auch, so lange ich bei euch bin, schuldig geworden seid am Worte Gottes, und habt es verachtet und das Gegenteil gethan! Brüder! Auch über euch würde weinen JEsus Christus und sprechen: „Ihr habt nicht gewollt!“

 Ihr habt nicht gehalten an dem Bekenntnis JEsu Christi, sondern ihr habt Ihn verleugnet, ihr müsset euch vor Ihm schämen, wenn ER kommt, ihr dürfet eure Häupter bei Seiner Zukunft nicht aufheben, darum, daß sich eure Erlösung naht – ihr seid eine unbekehrte, weltlich gesinnte Stadt dem bei weitem größten Teile nach, und wisset es nicht und glaubt es nicht, sondern geht in Stolz und beleidigtem Hochmut von denen weg, welche euch die Wahrheit in Liebe sagen und nach nichts mehr hungern und dürsten, als daß ihr selig werden möchtet und für die euch bisher bekannten Träber die himmlische Speise des göttlichen Wortes und ihre seligen, Leib und Seele gesund und fröhlich machenden Wirkungen geben.

 Doch aber vielleicht will eine Seele sich zum unumwundenen Bekenntnis des Hohenpriesters JEsu wenden. Sie sei ermuntert, unter das Kreuz zu treten, ihr sei verheißen der Friede Gottes, der höher ist, als alle Vernunft, und eine heilige Freude, welche durch keine Freude und keinen Schmerz der Welt aufgehoben wird. Selig der Mensch, der zu dem Entschluß kommt, alle Bande und Seile der Welt zu zerreißen