Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/221

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in Seinem Namen, bis auf diesen Tag.“ – Und wie das Segnen im Alten Testament überhaupt den Priestern befohlen war, so war es insbesondere dem Hohenpriester bei seinem Amte am großen Versöhnungstage aufgegeben. Darum haben auch, solange der Tempel zu Jerusalem stand, und solange Priester und Hohepriester in demselben dienten, beide, Priester und Hohepriester, das Recht des feierlichen Segensprechens ausgeübt. Wenn z. B. am großen, jährlichen Versöhnungstage der Hohepriester das Blut des Sühnopfers ins Allerheiligste brachte, lag in den Vorhöfen das ganze Volk Israel auf seinem Angesichte voll Schmerz über die Sünde. Wenn dann der Hohepriester die Opfer vollendet hatte, trat er vor die ganze Gemeinde, hob seine beiden Hände empor zum Himmel, von dannen Segen zu empfangen, wandte dann seine Hände gegen die Gemeinde, hob die drei ersten Finger bei dem Namen Jehovah, den außer dem Hohenpriester bei dieser Handlung kein Jude auszusprechen wagte, hob bei diesem Namen die drei ersten Finger höher und neigte sie gegen das Volk und sprach also den dreifachen Segen des allerheiligsten Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Geistes. Dann stand das Volk fröhlich auf und ging im Frieden und Segen des HErrn von dem Tempel in seine Hütten. – Gleich also thun die Priester in der evangelisch-lutherischen Kirche auch, nur daß sie bei Aussprechung des gebenedeiten Namens nicht diesen Namen, sondern das Zeichen des Neuen Bundes, das Kreuz, über die Gemeinde zeichnen. – Aus alle dem erkennen wir, daß Segnen zum Priestertum gehöre. Um jedoch allen Zweifel zu beseitigen und die Gewißheit stark zu machen, erinnern wir noch an jenen größten aller alttestamentlichen Priester, der schon vor der Zeit des mosaischen Gesetzes, zu Abrahams Zeit, in der geheimnisvollen Stadt Salem, selbst geheimnisvollen Wesens, wohnte, an Melchisedek, der da ein Bild war des zukünftigen Hohenpriesters Christus. Von diesem wissen wir aus der heiligen Schrift zwar nicht, daß er geopfert oder Fürbitte gethan hat, aber da Abraham von der Könige Schlacht heimkehrte, ging er heraus und segnete, größer als ein Patriarch, den Abraham und empfing aus seinen