Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/223

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zu Gott geht, ist er doch nicht immer mit Gottes Segen und Gedanken eins, zeugt oft nur von dem liebevollen Herzen der Segnenden, ohne daß er in Erfüllung geht. Wenn Priester am Altar segnen, segnen sie zwar im Namen des HErrn; aber der Segen des HErrn aus der Priester Mund hat Seine geheimen Wege, und an wem er in Erfüllung gegangen, wer für denselben empfänglich gewesen ist, davon zeugt erst der Tag, der über alle geheimen Wege Gottes Licht und offenbares Recht verbreitet. Der Priester Segen ist ein heiliges Geheimnis und nicht zu verwechseln mit anderer Menschen Segen. Christi Segen, als unmittelbarer Gottessegen, ist kein bloßer Wunsch aus freundlichem Herzen, sondern ein Wort dessen, der da spricht, so geschieht’s, der gebeut, so steht’s da; denn ER selbst ist Gott. Wen ER segnet, von dem steht geschrieben: „Seine Gesegneten bleiben gesegnet!“ Gottes und unseres ewigen Hohenpriesters Segnungen überwinden die Welt, wenn ER segnet, gehen höher, als die Sündflut, weiter, als die Wolken, fassen die Erde ein und werden vom Himmel nicht gefaßt, so groß sind sie. Denn wie Seine Liebe, so Sein Segen; ja, wie Sein Herz, so Sein Segen. Sein Herz aber hat Raum für eine Welt und göttliche Macht! Selig, wer von dem HErrn JEsu Christo, dem ewigen Priester, dem großen Gott gesegnet wird!


III.

 Christus, der ewige Hohepriester, hat aber auch gesegnet zur Zeit Seines Erdenwandels, ER segnet noch, ja, ER ist so voll Segen, daß ER selbst ein Segen der Welt ist und heißt.

 1. ER hat gesegnet die Kindlein mit Auflegung Seiner Hände und ihnen vor allen Sterblichen das Himmelreich zugesprochen (Mark. 10, 16). Jene Kinder waren noch nicht getauft, aber der Segen des hochwürdigsten Hohenpriesters war ihre Taufe. Selige Kinder, wer mit euch unter den segnenden Händen Christi und an Seiner Brust gelegen wäre! Wie möget ihr gewandelt haben, wie in Seinem Namen, wie um Seines Namens und Bekenntnisses willen gestorben sein!