Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/227

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„Durch den Segen der Frommen wird eine Stadt erhöhet!“ (Spr. 11, 11). Segnet, ihr Väter und Mütter, eure Häuser, eure Kinder, denn der Segen der Eltern, so er aus frommen Herzen kommt, ist Weissagung von dem HErrn und eine Bürgschaft des Wohlergehens für die Nachkommen! Segnet, Brüder, eure Geschwister, eure Nachbarn; gegenseitiges Segnen bringt Eintracht, aber wo der Segen nicht geübt wird, da ist Zwietracht. Wo Segen ist, da singt man in den Hütten der Gerechten: „Wie fein und lieblich ist’s, daß Brüder einträchtig bei einander wohnen. Wie der köstliche Balsam ist, der vom Haupt Aarons herabfließt in seinen ganzen Bart, der herabfließt in sein Kleid. Wie der Tau, der vom Hermon herabfällt auf die Berge Zion!“ Ja, wo man einander segnet im Namen des HErrn, da ist Zion, da wohnt Gott, da ist eine Hütte Gottes unter den Menschen, daselbst verheißt Gott Segen und Leben immer und ewiglich!

 4. Segnet, Brüder, segnet eure Feinde! Fünfmal ist auf das ausdrücklichste und sonst noch oftmals den Kindern Gottes geboten, ihre Feinde zu segnen! Brüder, seid ohne Falsch, wie die Tauben! Wer sind wir, daß wir zürnen sollten, oder daß man uns beleidigen könnte? Haben wir nicht alle mehr verdient, als uns widerfährt? Nehmt jeden Backenstreich als eine Züchtigung von Gott, so wird es euch leicht werden, den Menschen, durch welchen er gereicht wird, zu segnen! Wahrlich, es ist süß, die Feinde zu segnen, es ist himmlische Süßigkeit, aber Rache und Groll ist höllische Freude. Ihr Kinder des Himmelreichs, nehmt hin die himmlische Freude, und segnet eure Feinde und leget einen Kranz von brennenden Kohlen der Liebe auf ihre Häupter: er sieht schön aus vor Gott, wenn auch eure Feinde durch ihn nur Brand und Schmerzen fühlen!

 5. Aber, Brüder, so sehr ihr vermahnet werdet, eure Feinde zu segnen, so sehr werdet ihr gewarnt, die Feinde Gottes zu segnen. Der Fürst der Welt, seine Knechte, seine Kinder, ihr Beginnen ist es, um welches David betet mehr als einmal: „Ich hasse ja, HErr, die Dich hassen!“ Wohl