Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/228

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giebt es ein Gebet, einen Segen, daß Gottes Feinde Gottes Freunde werden mögen, das bleibt, das geht Hand in Hand mit dem Haß des feindlichen Sinnens und Thuns! Es ist ein besonderes Lob, welches der HErr in der Offenbarung denen spendet, die ER liebt, die Ihm gefallen, daß sie die Bösen nicht tragen könnten, noch huren würden dem Herrn dieser Welt nach samt dem Weibe Jesabel! Es schweige der Segen, es wehe Gebet auf wider die, die Gott widerstreiten, daß sie nicht hinausführen ihres Herzens Gedanken, daß wie Babels Turm ihre Pläne vernichtet werden! Das Wehe, welches der HErr über die Pharisäer u. dgl. spricht, bleibe auch im Munde der heiligen Kirche, daß nicht des Satans Beginnen gar von den Gläubigen gelobt, durch ihre Gebete getragen werde. Wie unsere Väter wider die Türken, so lasset uns wider die Rotte der Abgefallenen, der Weltlinge und Heuchler beten, die unter dem Schilde des Namens christlicher Leute der Heiden Thun einführen zum Jauchzen der Hölle! Glühender Haß dem Reich der Finsternis! Wo der nicht ist, ist auch keine Liebe zu dem HErrn!




 Warum, Brüder, warum aber ist keine Freude, kein Dank für JEsu Segen, keine Nachahmung desselben, keine Befolgung Seiner Segensgebote, kein Haß der Welt, kein Licht über den großen Unterschied zwischen Gott und Welt in der Christenheit? Darum, Brüder, weil man noch nicht wie Jakob an der Furt Jabok gesegnet worden ist von dem ewigen Hohenpriester, weil man noch keinen neuen Namen, kein neues Herz empfangen hat, weil man ihn noch nicht empfangen hat, den ewigen Segen, und dennoch träumt, auf guten Wegen zu sein! Und warum hat man noch keinen Segen empfangen? Weil man ihn noch nicht gewollt, noch nicht gesucht, noch nicht erfleht hat, weil man sich noch in kein Ringen mit Gott, dem Hohenpriester, eingelassen, weil man noch nicht gesagt hat im höchsten Drang der Seele, in der höchsten Sehnsucht des Herzens: „Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn!“ Das Himmelreich leidet Gewalt seit den Tagen Johannes, und die