Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/232

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ER seine beiden Ämter auch üben, wie geschrieben ist: „wer ein Amt hat, der warte des Amts.“ Da nun Sein Priestertum es mit sich bringt, daß ER auch Fürbitte thun muß, so herrscht ER nicht allein, sondern ER bittet auch für uns.

 2. Ob ER wohl König ist, und thun kann, was ER will, so muß ER dennoch für uns bitten, auf daß erkannt werde, daß Sein Königtum auf Seinem Priestertum beruht. Hätte ER das große Opfer nicht für die Welt vollbracht, hätte ER sie nicht mit Seinem Blute gereinigt, so wäre die Welt niemals ein Reich JEsu Christi und Gottes geworden, sondern des Teufels Reich geblieben. Nur um des ewigen Opfers willen sind wir ein Reich Gottes – nur, weil der Hohepriester einmal mit seinem eignen Blute zu Gott einging und für uns bittet, darf Er die Ihm übergebene königliche Gewalt zu unserm Heil anwenden. Ein Priester hat mit einem Opfer und Seiner Fürbitte das Reich gegründet – und wie ER’s gegründet hat, so wird’s erhalten – durch Fürbitte. So gehen Priestertum und Königtum zusammen.

 3. Endlich darfst du dir den ewigen Fürbitter nicht denken, wie einen Bettler vor der schönen Thür des Tempels – Seine Fürbitte nicht so niedrig und klein, wie ER etwa in den Tagen Seines Fleisches nach Hebr. 5, 7 Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Thränen geopfert hat zu dem, der Ihm von dem Tode konnte aushelfen. Schon das Wort Fürbitte ist zu gering für das, was eigentlich gemeint ist – es steht im Grundtext ein gewaltiges, der majestätischen Handlung angemessenes Wort. Nach Röm. 8, 34 sitzt ER, während ER für uns Einsprache thut und uns vertritt auf Seinem ewigen Throne zu Gottes Rechten. Es läßt sich nichts Prachtvolleres denken, als wenn der ewige König Seines erlösten Volkes Sache vor dem ewigen Richterstuhl als der höchste Beistand führt. Etwas davon ahnt man schon, wenn ER Joh. 17, 24 so bestimmt und kräftig in der Nacht, da ER verraten ward, spricht: „Vater, Ich will, daß, wo Ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast, auf daß sie Meine Herrlichkeit sehen.“ Wir werden es völlig und mit Erstaunen sehen, wenn wir durch Seine Fürbitte zum Anschauen Seiner