Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/238

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danke; diese Wohlthat hat ihm kein anderer Mensch, hat ihm der Menschensohn, der ewige König Christus selbst gethan.

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 ER sammelt sie aber nicht nur, sondern wenn sie zu Seiner Herde gekommen sind, so leitet ER sie auch und erhält sie auf Seinen Wegen und bei Seiner Herde. Ach, wir haben gar wenig Weisheit, selbst den Weg zum ewigen Heil zu finden; niemand ist angefochtener, als wer auf JEsu Wegen geht: wo der Geist des HErrn geschäftig ist, etwas Gutes zu wirken, da ist die Welt und der Teufel desto geschäftiger, es zu verhindern. Wer hat mehr Lockung und Reizung zum Bösen abzuweisen und aufzuweisen, als die, welche zum Guten eilen, und was kann man in einer Welt voll Bosheit schwerer behalten, als das Gute? Wie weit ist’s vom Anfang des christlichen Lebens bis zur Vollendung, wie lange dauert der Kampf, bis der Sieg erfolgt? Wie lange wird einem oft die Zeit des Wartens, und wie oft ertötet die Gewohnheit dieses Lebens den heiligen Eifer, die Sehnsucht nach oben, wie lahm wird man oft in den irdischen Geschäften! Wie bange wird manchmal der Seele um ihre Seligkeit, wie fürchtet sie sich oft, das Ziel zu verfehlen, und berufen, nicht auserwählt zu sein; wenn dann die Knie wanken, die Hände zittern, die müde Seele zagt, die Augen weinen: wer soll da helfen? wer tröstet? Der König, der ewige, der Sieger JEsus Christus! Der uns berufen hat, der wird’s thun, der erhält uns! Der Anfänger unseres Glaubens ist auch der Vollender, daß wir unseres Glaubens Ende, der Seelen Seligkeit gewinnen! ER weiß die Wege und führt sie uns, bei Tag und Nacht, es mag uns helle oder finster dünken; wer nur auf Seine Stimme hört und Ihm vertrauend folgt, wohin sie lockt, verirrt nicht! ER hat Adlerflügel, und wenn Mut und Kraft gebricht, trägt ER mit ihnen, wie ER Sein Volk Israel vierzig Jahre nach Seiner eigenen Aussage auf Adlerflügeln getragen hat! ER nimmt die Müden auf Seine Achsel und trägt sie durch Wasser und Feuer; kein Strom ersäuft, keine Hitze verzehrt sie! Niemand kann Ihm Seine Schafe aus den Händen reißen. ER kämpft für uns, und wir sind stille, und endlich, endlich bringt ER uns zur Ruhe;