Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/266

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
I.

 Die Welt, d. i. die Menschen, welche nicht wiedergeboren sind aus Wasser und Geist, sind nicht einig über das, was des Rühmens und Lobens wert ist. Es rühmt eben ein jeder am liebsten das, was er hat oder was er hofft, zu bekommen; denn das rühmen, was andere haben und uns selber fremd ist, will deswegen keinem leicht sein, weil jeder in dem gerühmten und gelobten Gute nur sich selber rühmen möchte, wie man denn deshalb auch häufiger die Redensart braucht: „sich einer Sache rühmen,“ als „eine Sache rühmen“.

 Am wenigsten des Ruhmes wert sind die äußeren Güter, welche so gar hinfällig sind, daß sie, bevor man sich ihrer noch ausgerühmt hat, ja, wenn man das Wort noch auf den Lippen hat, entronnen und nicht mehr unser sein können. Von ihnen heißt es mit Wahrheit: „Die Welt vergeht mit ihrer Lust“ und wie Salomo sagt: „Alles ist eitel.“ Der Reiche rühmt sich seines Geldes; aber über Nacht kann er dem Gelde durch den Tod, oder das Geld ihm durch Diebe entrissen sein. Wer viele Häuser hat, rühmt sich der Häuser, die in einer Nacht ein Raub der Flammen werden können. Ihr rühmt euch gern eurer Hopfengärten, was ist aber euer Ruhm, wenn Gott einmal den Gärten keinen Segen giebt, wenn der Hopfen nicht gerät, wenn eure Äcker öde stehn? Andere, die keinen Reichtum haben, rühmen sich leiblicher Vorzüge, der eine findet, daß er stark ist an Kräften; aber eine springende Ader, ein Schlagfluß kann in einem Augenblick die Kraft eines Riesen lähmen. Jungfrauen und Frauen rühmen sich gern, daß sie schön seien; das ist aber eben, als wollte ich mich des Schnees rühmen, der jetzt fällt und im Kot liegt, es ist eben, als wenn eine Zwetschge sich rühmen wollte, daß sie so schön bereift ist, da doch ein Kind, ja eines Vogels Schwingen im Vorüberfliegen den Reif, wie nichts, abwischen kann. Es ist doch der Mensch in seinem Leben wie Gras, und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume, die am Morgen steht und am Abend im Ofen liegt, oder von welchen doch so bald gesagt wird: „das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen.“ Wieder andere rühmen sich ihrer