Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/279

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hier als Herren bedient werden, sind die ärmsten, geringsten Leute, die es geben kann, Fischer, Zöllner u. dgl., die keine Macht haben, die ein jeder zum Pöbel des Landes rechnete, welche so ungeachtet waren, daß selbst die Häscher bei der Kreuzigung sie willig gehen ließen, und kein Hoherpriester nach ihnen fragte, weil von ihrem Einfluß auf das Volk nichts zu besorgen war. Der Diener hingegen, von dem sie alle bedient werden, ist derselbe, der da wußte, daß Ihm der Vater alles in Seine Hände gegeben hatte und daß ER von Gott gekommen war und nun wieder zu Gott ginge. Wenn dem Joseph träumte, daß Sonne, Mond und elf Sterne sich vor ihm geneigt hätten, so strafte ihn sein Vater darüber und sprach: „Was ist das für ein Traum? Soll ich und deine Mutter und deine Brüder kommen und dich anbeten?“ Hier aber neigen sich nicht Sonne, Mond und Sterne vor den Jüngern, sondern der HErr, welcher Sonne, Mond und Sterne geschaffen hat, der Väter, Mütter und Familien geschaffen hat, der auch diese zwölf Jünger geschaffen hat, der legt Seine Kleider ab, gürtet sich mit einem Schurz, gießt Wasser in ein Becken und hebt an, der Ärmsten Füße zu waschen. Der das Wasser ins Becken gießt, ist einer, dem alle Wasser im Meer gehorsam sind, den alle Wellen verehren, die vor Seinem wandelnden Fuß zu festem Boden werden, der dem Wasser seinen Ort angewiesen und seine Schwelle gesetzt hat, darüber es nicht kommen kann, der alle Tropfen des Wassers gezählt hat, der sie alle geschaffen hat! Der Seine Kleider hier vor Bettlern ablegt, ist derselbe, den Jesaias im Tempel sitzen sah auf einem hohen und erhabenen Stuhle, und der Saum Seines Kleides füllte den Tempel und die Engel sangen: „Heilig, heilig, heilig ist der HErr Zebaoth! Alle Lande sind Seiner Ehre voll!“, derselbe, von dem geschrieben ist: „Licht ist Sein Kleid!“, derselbe, der in Wolken und Feuer vor Seinem Volke Herzog, in Wolken- und Feuersäulen! Gott liegt auf der Erde und wäscht Seinen Freunden und Feinden die Füße! – Sieh, das ist Demut, das heißt klein werden, da man doch groß ist, das ist eines Gottes, das ist Deines JEsu Demut!

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