Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/317

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 Sehr hoch, sehr herrlich ist JEsus Christus, sehr hochmütig und darum sehr nichtig und klein sind seine treusten Jünger. Wie erst die, deren unentschiedenes, laues Leben kund giebt, daß die Demut in ihnen keinen Platz hat und nur der Hochmut im Regimente sitzt. Brüder, die da groß sind in ihrer Meinung, die sind bei Gott sehr klein und sind ein Greuel vor Ihm. Die Sterne, die wie Lucifer, die Stadt, die wie Kapernaum, bis zum Himmel erhoben sind, werden vom Jauchzen der untersten Hölle begrüßt! Hochmut kommt vor dem Fall, großer Hochmut vor tiefem Fall! Möge unser Hochmut, von Gott getroffen, fallen, solange wir leben, daß wir nicht ihn in den Tod mitnehmen und von ihm hinabgezogen werden in den Schlund, wo allen stolzen Geistern ein Bette der Verzagtheit bereitet ist, ein grauenhaftes Bette ewiger Verlassenheit von Gott! Bruder, Bruder! Es hilft nichts, durchs Thal muß gehen, wer auf den Berg steigen will! und wer da will kommen zu dem seligen Berge Zion und zu der Menge der Auserwählten, der muß erst hinab ins Thal der Buße und der Demut! nur dem Demütigen giebt Gott Gnade, nur aus der Tiefe holt ER die Seinen! ER läßt die Berggipfel stehen und sucht die stillen Blumen im Thal; ER ist gekommen, daß ER diene, auf daß durch Seinen Dienst alle Armen und Elenden erhoben werden! ER stößt vom Stuhl, die da hochmütig sind in ihres Herzens Sinn; ER erlöst die Armen aus dem Staub! O thut Buße für euren Hochmut, laßt uns weinen über unsre Einbildung und Luftschlösser, über jede hohe Meinung, die wir von uns hatten! Laßt uns erkennen, daß uns, während wir glaubten, etwas zu sein, der Kot der Sünde sehr beschmutzt hat, laßt uns beten, flehentlich beten, sehnlichst warten, bis der Allerhöchste uns wäscht und absolviert, gerechten Frieden giebt, bis wir, rein um des Worts willen, ihm dienen im heiligen Schmuck und sprechen: „Ich danke dir, daß du mich gedemütigt hast, denn ehe ich gedemütigt ward, irrte ich!“

 Ach! JEsu, JEsu! Amen. Amen.