Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/342

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Demut, unterworfen unter das vierte Gebot, ja, lernt euch besser kennen, wendet euer Auge nicht bald von euch weg, wenn gleich der Anblick eures Lebens, eures Herzens nichts Erquickendes, sondern nur Beschämendes, Erschreckendes hat! Schaut euch nur an im Lichte des Gesetzes, bis ihr eures Schmutzes, eures häßlichen Anblickes satt seid, bis ihr eure Sünden verabscheuet, bis euch das Andenken an sie zu glühenden Kohlen auf euren Häuptern wird, bis ihr hungert und dürstet nach Linderung eurer Reuepein, nach Frieden der Vergebung, nach Gerechtigkeit, die vor Gott gilt! Wenn ihr aber zu solchem Ernste der Reue und Buße werdet durchgedrungen sein, zu solchem Verlangen nach Gott und Seiner Gnade, dann wird euch zum Troste werden, was ich euch von dem dreifachen Segen unseres Textes gesagt habe und nun in ganz kurzen Sätzen sagen werde:

 1. Ein Sohn, der reumütig seine Missethat beweint, die er an Vater und Mutter begangen hat, der erkenne, daß seine Strafen, am vierten Gebot verdient, darum auf den unschuldigen Christum geworfen sind, daß er sie selbst nicht leiden dürfte! Du, Reumütiger, wirst nicht gestraft werden, wenn du das glaubst! Denn zweimal und doppelt, an deinem Stellvertreter und dir zugleich, straft der ewige Gerechte nicht! Die Strafe lag auf Ihm, auf daß du Frieden hättest. Nimm hin, glaube, glaube in Gottes Namen die Vergebung deiner Missethat um Christi willen! Gott vergiebt, und wo Gott vergiebt, da vergiebt dir auch dein seliger Vater, deine verewigte Mutter, welche du bis in den Tod beleidigt hast! Die Seligen zürnen nicht, wo Gott nicht zürnt! Dein Vater, deine Mutter haben dir diese Gnadenstunde erbeten, da du aus JEsu Leid empfingst Vergebung und Frieden und deiner Eltern Segen!

 2. Ein Sohn, der, obzwar guten Willens, nicht mehr wie sonst ein Ungehorsamer, dennoch nicht vollbringen kann, was er selbst gern möchte, der bei treuem Fleiß doch inne wird, daß er nur Sünde thut, daß er ungehorsam ist und von der Unart seines Herzens übereilt wird, der, obwohl voll Reu und Leid, wohl auch ein wenig glaubend, daß er Vergebung