Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/373

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Lasset uns den Text auslegen und dann einige für uns heilsame Bemerkungen zu demselben zu Herzen fassen.

 O JEsu, steh uns mit Deinem heiligen Geiste bei! Amen.


I.

 1. „An welchem Tage ihr von diesem Baume essen werdet, werdet ihr des Todes sterben,“ sagte der HErr im Paradiese zu Adam. Da sie nun aßen, so geschah, was der Wahrhaftige gedroht hatte: die Menschen starben an der Seele und fingen an, auch am Leibe zu sterben. Wie der Leib tot ist, in welchem keine Seele mehr ist, so ist die Seele tot, in welcher die Gottheit nicht mehr wohnt, welche nicht mehr in Gott lebt und webt, deren Weisheit nicht mehr Gottes Weisheit, deren Ruhe nicht mehr Gottes Friede und Freude, deren Wille nicht mehr Gottes Wille ist. Wie der gestorbene Leib von seiner Seele, so kann die tote Seele keine Auskunft mehr von dem geben, welcher sie zu Seinem Tempel erschaffen hatte und ihr näher befreundet war, als sie selbst dem Leibe.

 So tot sind nun alle Seelen von Natur, schlummern dahin bis zum Tode des Leibes, fragen nach Gott nichts. So tot, meine Lieben, sind die meisten Menschen, und ihre Leiber sind nur Särge entseelter Seelen. So tot sind viele unter uns hier, obwohl sie vielleicht nicht eine Ahnung von den Todesbanden haben, mit denen sie umgeben sind. Denn wie ein toter Leib von seinem Tode nichts weiß, so träumen auch viele tote, von göttlichem Leben entleerte Seelen von nichts weniger, als vom Tode.

 O ihr Toten, die ihr tot seid, weil Gott in euch nicht lebt, gestorben, weil ihr dieser täglich mehr hinsterbenden Welt lebet und ihren tödlichen Lüsten: wer ist so mächtig, euch aufzuwecken zum Leben, zu welchem ihr geschaffen seid? wer bringt euch zu Gott und Gott in euch? wer macht, daß eure Seelen grünen, wie das Gras, und blühen, wie der Frühling?

 2. Herrlicher Sohn Gottes, das ist die Gewalt Deiner Stimme. „Die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes