Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/423

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die Elemente, über den Tod, über die Geister der Menschen haben die Könige der Erde keine Gewalt.

 Darum ihr, die göttlich, d. h. Großes ohne Geräusch, wirken wollt, gehet in eure Kammern, breitet eure segnende Liebe über die ganze Welt aus, über die heilige Kirche, über alle Heiden, über Nahe und Ferne, Freunde und Feinde, Gesunde und Kranke, und blickt mit glaubensvollem Auge auf zu dem, der versteht der Augen Thränen und des Herzens Sehnen, so werdet ihr inne werden, was geschrieben ist: „Mit Gott wollen wir Thaten thun!“

 O ihr, die ihr diese Stadt bewohnt, sollten euch die Augen geöffnet werden, zu sehen, wie viel Übel schon abgewendet, wie viel Gutes über eure Stadt gebracht, wie viel Ungewitter über eure Türme weggetragen, wie viel Wolken voll Gnadenregen des HErrn über ihnen entbunden worden sind, bloß durch die euch unbekannte Gewalt der wenigen unter euch, die noch Anbeter des wahren Gottes und Vaters unsers HErrn JEsu Christi sind! Solltet ihr sehen, wie bei zunehmender Weltlust und Gottesvergessenheit unter euch, über euch Gottes Zorn sich häufet, und wie nur diese stillen, von so vielen unter euch verachteten Beter noch den Zorn auf- und zurückhalten, daß er sich nicht entlade, – wahrlich, ihr würdet die betenden Frommen höher achten, als Wagen und Reiter, und ihre Gebete wider euch wie feurige Engelwagen um eure Stadt her erscheinen! So viel thut unerkannt, wie Gottes Gnade selbst, unter euch das Gebet!

 Wie still, wie weit, wie segensreich wirkt das Gebet des Christen, in stiller Kammer vereint er sich gläubig, in völliger Hingabe mit dem gegenwärtigen, allmächtigen Gott, neigt Sein Herz zu unendlichem Erbarmen und regiert Seinen starken Arm mit kindlicher Gewalt.

 Hier werden Thaten gethan, die kein Auge sieht, als das Auge des, der ins Verborgene sieht, aber an jenem Tag der Offenbarung wird es der HErr vor aller Augen darlegen, daß nicht Gewalt und Weisheit dieser Welt, sondern Gebet auf Erden Schlachten gewonnen und Reiche eingenommen, schwierige Angelegenheiten hinausgeführt und Unbegreifliches