Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/437

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Gebet aussprechen und ihr Mund sein. Ein Mund, ein Geist soll sein!

 So betet denn, meine Lieben, an allen Orten, in der Kammer, im Hause, in Gesellschaft, in der Kirche! Ja, wo ihr geht und steht, überall erweist euch als das priesterliche Volk, das von dem ewigen Hohenpriester gelernt hat Bitte, Gebet und Fürbitte!




 Endlich, meine Teuren, fragen wir: „Wer lehrt uns beten?“ Nur ER, nur JEsus durch Seinen heiligen Geist. Was hilft’s, meine Teuren, daß ich euch nun vieles vom Gebet vorgesagt habe, ihr habt es großenteils schon vergessen, wie auch ich, und wenn wir’s auch wissen, wer macht aus dem Wissen ein Thun, wer giebt dem Samenkorn der Erkenntnis Lebenskeim, wer führt aus dem Lebenskeim das Leben hervor? Schon Luk. 11 fragten die Jünger über das Gebet, der HErr lehrte sie auch; aber sie wurden doch nicht eher Beter, bis ER aufgefahren war und auf Gottes Stuhle sitzend Macht empfangen hatte, die am Kreuz erworbenen Gaben und Kräfte des heiligen Geistes auf sie herabzusenden.

 Wahrlich, meine Teuren, ihr werdet eher nicht beten lernen, bis Gottes Geist euch ergreifen und das Herz erfüllen wird mit Gebet und Gebetsfreude.

 Jedoch, getrost, wer gern beten will, sei getrost. Betet in Schwachheit, so gut ihr könnt. Könnt ihr nicht beten, so seufzet, versteht ihr auch das nicht, nun, so habt ihr ein zerbrochenes Herz, so weinet über eure Schwachheit. So wahr sich der Regen auf das dürstende Land herabläßt, so wahr der HErr am ersten Pfingsten die dürstenden Herzen der Jünger mit den außerordentlichen Gaben des heiligen Geistes heimgesucht hat, so wahr, so gewiß wird ER auch euer Sehnen ansehen und sich in eure zerbrochenen und gedemütigten Herzen herablassen. ER sieht an den Geist der Zerschlagenen und das Herz der Gedemütigten. „Denn also spricht der Hohe und Erhabene, der ewiglich wohnet, des Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, so