Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/439

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Am 1. Pfingsttage.
(Bertholdsdorf 1836.)


Joh. 14, 27. Den Frieden lasse Ich euch. Meinen Frieden gebe Ich euch. Nicht gebe Ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 Am ersten Pfingsttage feiern wir die Ausgießung des heiligen Geistes über die Kirche Christi. Dazu stimmen Evangelium und Epistel des Tages recht gut. Das Evangelium erzählt von den ordentlichen, die Epistel von den außerordentlichen Gaben des heiligen Geistes. Die außerordentlichen Gaben des heiligen Geistes sind jene, welche die Jünger zur ersten Aufrichtung der Kirche notwendig haben mußten, als z. B. Wunder thun, fremde Sprachen sprechen etc., welche aber zur Seligkeit nicht notwendig sind, welche man also, nachdem die Kirche einmal aufgerichtet ist, auch leicht entbehren kann. Die ordentlichen Gaben sind die, welche Gott zu allen Zeiten Seiner lieben Kirche schenkt, welche auch zur Seligkeit verordnet und notwendig sind. Von diesen letzteren also handelt das heutige, eben vorgelesene Evangelium. Den ganzen Inhalt des Evangeliums zu erklären, ist mir nicht möglich; ich habe mir daher einen Vers herausgenommen, nämlich den 27. Der handelt von dem Frieden JEsu Christi, und von diesem will ich euch predigen. Denn ich meine, dieser Friede sei eine teure, werte Gabe, die man den Gemeinden nicht genug anpreisen kann, in diesem friedelosen Leben, in dieser Welt voll Streites und Ungemachs.

 Der HErr segne mir meinen Vortrag um JEsu Christi, Seines Sohnes, unseres Heilandes willen! Amen.