Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/441

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 Ich schenke euch die Vergebung eurer Sünden und heile euer böses Gewissen von aller seiner Krankheit, Ich mache, daß ihr weder im Leben, noch im Sterben, noch dermaleinst im Gericht sollt von eurem Gewissen Pein leiden. Ihr sollt eurer Sünden willen vor Gott und Menschen ruhig sein dürfen. Ich verschaffe euch Frieden mit Gott, die Feindschaft, die ER um eurer Sünden willen gegen euch haben muß, die thue Ich weg, an Mir soll sie ausgehen. Die Strafen, die ihr mit eurem Ungehorsam verdient habt, die will Ich für euch im Garten Gethsemane und an Meinem Kreuze aushalten. Auch die schrecklichste der von euch wohlverdienten Strafen, den ewigen Tod, will Ich verschlingen, die Hölle will Ich für euch überwältigen. So sollt ihr Frieden haben vor allen euren Feinden, und dem größten und gerechtesten eurer Feinde, dem lebendigen Gott, will ich dermaßen Genugthuung verschaffen, daß ER aus eurem Feinde euer Freund, aus eurem Richter euer Vater wird, daß ER sich mit unaussprechlicher Gnade zu euch neigt und beugt, euch Gerechtigkeit und ewiges Leben frei, umsonst und ohne alle andern Bedingungen, als welche ER selbst in euch erfüllen wird, schenkt! Ihr sollt in Frieden sterben, eure Seelen sollen zu Gottes Ruhe eingehen, auch euer Leib soll ruhen in Hoffnung. Am jüngsten Tage wecke Ich die Leiber auf und vereinige sie mit den Seelen zu einer ewigen Ehe. Ich will euch so glücklich und selig machen, einen solchen Frieden will ich euch geben, wie Schafe ihn haben würden, die auf ewigen Auen weiden dürften, in ewiger Jugend, unter dem besten Hirten! – Liebe Brüder! Das ist, aber nur mit schwachen Worten angedeutet, jener Friede, jenes Wohlergehen, von welchem Christus spricht: „Meinen Frieden lasse Ich euch!“ und wenn wir ihn einst in seinem vollen Maße besitzen werden, so werden wir erstaunen, wie leicht das alles gesagt, und welch eine Tiefe und Höhe, Länge und Breite göttlicher Liebe darin enthalten ist!


II.

 Von diesem Frieden sagt JEsus zuerst: „Den Frieden lasse Ich euch“ und dann: „Meinen Frieden gebe Ich