Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/471

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

JEsus Christus, der Allwissende, sagen: Seliger Kämmerer, du sollst mein Bruder sein! Fahre du im Himmel fort zu beten, wie hier, ich will’s dahier thun, ich falle mit dir nieder, bete, rufe: „Ich glaube, daß JEsus Christus Gottes Sohn ist!“ – Nun muß der Wagen halten, nun steigen sie miteinander hinab zum Quell, die Diener nehmen ihm seine Gewänder ab, stehen staunend, wissen sein Beginnen nicht, verstehen es nicht. Im Himmelsthore steht segnend der ewige Hohepriester, Seine heiligen Engel haben große Freude, es ist eine Viertelstunde, welche der heilige Geist in der Bibel zum ewigen Gedächtnis aufzuzeichnen wert gefunden. Da steht der selige Kämmerer, seine Seele ist zu Gott entrückt. Philippus, selbst sich niedertauchend in die Kräfte seiner eigenen Taufe, tauft den Kämmerer und versiegelt eine Seele, deren Name im Himmel geschrieben ist. HErr, barmherziger Gott, so müsse eine jede Taufe sein, welche Du auf Erden Deinen Elenden gönnest, so müsse sie sein in ihrer ersten Wirkung, so in ihrer Nachwirkung, solange die Täuflinge leben!

.

 Der Kämmerer ist nun ganz Gottes Eigentum geworden, nun geht er gern in seine Heimat, wo ihn kein Christ hinbegleitet, sein Christus ist ihm genug, er hat gefunden. Er weiß, an wen er glaubt, ihm ist nicht bange vor der Glaubensübung von etwa noch dreißig bis vierzig Jahren in dieser Welt, er hat Ihn gefunden und erkannt, daß ER ist des lebendigen Gottes Sohn. Sein Glaube ist seines Herzens Ruh, er hat an dieser Gnade genug für sein Leben, und in der Ewigkeit, da findet er den, den seine Seele liebte, noch ehe sie Ihn gesehen. Wohl steigt Philippus mit ihm aus dem Wasser, er sieht ihn etwa nicht, seine Seele ist in der Stadt, die einen Grund hat von Gott erbaut. Sein Täufer wird ihm entrückt, die Hand des Geistes rückt ihn weg, was thut’s? Er bleibt fröhlich, den Täufer hat er nicht gesucht, er zieht seine Straße fröhlich! – Zieh hin, zieh hin, seliger Kämmerer, nimm einstweilen dein Land in Besitz für den, der doch einst alle Seelen, die verordnet sind auch in deinem Lande, der doch einst alle Länder besitzen und einnehmen wird! Zieh hin, zieh hin, bringe deinem Lande dein neues,