Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/482

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seine Mutter tröstet? O ihre Tröstungen sind Balsam in Seelenwunden! Wer sollte nicht genesen wollen, und wer, wenn es zum Sterben geht, sollte nicht ein leichtes Gehen wünschen? Ihren Sterbenstrost nehmt an, ihr lieben Brüder! Sie tröstet euch nicht falsch, nicht nach dem Fleisch, nicht, wie ihr gern wollt, sie tröstet euch mit himmlischem Trost! Danket für ihren Trost, für ihre Liebe auch im Sterben, so wird ihr Trost euch ein Himmelswagen werden und euch entführen dorthin, wo sie euch aufnehmen wird in die ewigen Hütten!

 Liebe Brüder, endlich betet auch für die heilige Kirche, daß es ihr wohlgelinge in dieser letzten, bösen Zeit! Denn wahrlich, sie ist sehr voll der Bösen Spott, sie haben die Hochgeborene gebunden in gar mancherlei Ketten, sie haben ihr eine Dornenkrone aufs Haupt gesetzt, sie haben ihr die Schmach Christi in reichem Maße gegeben, sie trägt schwer an ihren Lasten, sie ist wie eine niedergehende Sonne. Betet, sie wird nicht untergehen, sie wird wieder aufgehen, sie wird am letzten Tage der Welt über den Gräbern scheinen, denn sie ist zwar sehr in Verachtung, aber dennoch geliebt bei dem, der ist A und O, der Allmächtige! Sie wird siegen, aber betet, auf daß unter eurem Beten ihr Haupt erhoben werde und sie verjüngt, wie ein Adler! Betet, betet, daß ihr als fromme Kinder erfunden werdet, betet, daß ihr gegeben werde der Geist der Gnade und des Gebets, der Geist des Bräutigams, der uns erneut und führt, wie die Jugend! Betet, daß sie möge einhergehen in der Kraft des HErrn, wie Heeresspitzen schrecklich den Bösen, den Frommen lieblich und ehrwürdig, als des Königs Braut! Solches Beten ist Dank!

 Und nun, geliebte, teure Brüder, freuet euch in dem HErrn an diesem Freudentage und sprechet mit mir also:

 Ich danke Dir, HErr, daß Du Dir heute eine heilige Kirche geschaffen hast, ich danke Dir und freue mich! Nun, HErr, erlöse unser armes Bertholdsdorf aus der Not der Blindheit und Bosheit der Sünde und führe uns, die wir am Ende der Welt wohnen, im verborgensten Winkel der Erde, führe uns, die wir in diesem engen Thale irre gehen,