Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/84

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Am Neujahrstage.
(Altdorf 1836.)


Mark. 16, 16. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden.

 Wir feiern heute das Fest der Beschneidung Christi, an welchem es nicht unschicklich sein wird, in diesem nachmittägigen Gottesdienste von der heiligen Taufe zu predigen. Denn die Beschneidung war im Alten Testament das Sakrament der Aufnahme in den Bund mit Gott; in Christo aber, der Sein erstes Blut in diesem alttestamentlichen Sakramente für uns geopfert hat, hat die Beschneidung ihr Ende gefunden, und ER hat uns dafür ein blut- und schmerzloses Sakrament des Geistes, die heilige Taufe, eingesetzt. Darauf weist schon der Zusammenhang des heutigen Evangeliums mit der Epistel hin; denn während das Evangelium auf die Beschneidung Christi weist, ruft der heilige Apostel in dem heutigen Episteltexte: „Wie viele euer getauft sind, die haben Christum angezogen“ (Gal. 3, 27). So sei denn der treue Heiland heute in dieser Predigt gepriesen dafür, daß ER uns aus dem Alten ins Neue Testament geführt und statt der Beschneidung die heilige Taufe geschenkt hat – und ich nehme, obwohl Evangelium und Epistel ganz wohl zu meinem Gegenstande stimmen, doch lieber den gewaltigen Spruch Mark. 16, 16 zum Texte, des Geist und Kraft mich in dieser Predigt beleben möge zum Heile der Gemeinde! Amen.




I.

 Es ist fürs erste sehr auffallend, wie vergessen und verachtet unter den Christen die heilige Taufe ist. Denn, liebe