Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/87

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

auf Befehl JEsu Christi fasset und auf den Täufling gießet, hat sich ein unaussprechliches, geheimnisvolles Wunder ereignet: der heilige Geist hat sich mit dem Wasser vereinigt, Wasser ist Sein Gewand geworden; der Geist kommt im Wasser, das Wasser ist geworden ein gnadenreich Wasser des Lebens, ein „göttliches, seliges“ Wasser, wie es der edle Täufer Martin Luther nennt! Dieser anbetungswürdige, ewige, hochgelobte Geist – im Verein mit Vater und Sohn – nahet dem Täufling; seine Seele ist Gott so nahe, als eine Kreatur dem ewigen Gott nahe werden kann – und auch sein Leib, triefend vom Wasser, mit dem der Geist verbunden, ist ausgesondert, geheiligt zum ewigen Leben! Ha! welche Majestät! – zugegen, ein Kindlein anzunehmen, ist der dreieinige Gott! Wie herrlich bist Du, HErr, im Sakrament! Wie verborgen – wie unerkannt – auf wie himmlischen, schmalen Wegen eilst Du zu der verlorenen Kreatur und rufst: „Hier bin ich, hier bin ich!“ Wer würde es glauben, daß diese einfache Handlung, wie ein armes Gewand, solche majestätische Liebe Deines Vaterherzens umhülle, wenn nicht Dein eigener Mund dies Wasserbad nennete: eine Wiedergeburt aus Wasser und Geist – wenn nicht Dein heiliges Wort dieser Handlung solche Wirkungen beimäße, von denen man sagen muß: „Wasser thut’s freilich nicht,“ kann’s unmöglich thun, sondern das muß sein der ewige Gott, welcher sakramentlich durch das Wasser wirkt, und durchs Wort! Wahrlich! da muß man sich beugen vor Dir, Du ewiger HErr, heilig, heilig heilig! Wahrlich, wo man taufet, da ist Bethel, – da muß man sagen: „Gewißlich ist der HErr an diesem Orte, und ich wußte es nicht! Hier ist wahrhaftig Gottes Haus und die Pforte des Himmels!“ Denn hier steigen nicht allein Engel nieder, sondern es besucht der Aufgang aus der Höhe die arme Hütte des Menschen – und kehrt ein wie im Stall zu Bethlehem! Hochgelobter Gott, Du bist würdig, angebetet zu werden, wenn Du kommst zu wohnen im armen Täufling – und wir, wie die Weisen aus Morgenland, kommen, suchen Dich in der Krippe eines menschlichen Täuflingsherzens und schenken Dir Gold des Ruhmes, Weihrauch des Dankes und