Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/89

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Geist unsers Gottes.“ – So nun das in der heiligen Taufe geschenkt wird, so ist sie ja die größte Wohlthat Gottes, die uns gegeben werden könnte! Da hat ja Gott, der Barmherzige, alle Seine Schätze, Seinen Himmel, alle Kräfte des Kreuzes JEsu, alles Verdienst Seines Sohnes in dies arme Wasser gelegt – und schwimmt uns darauf der ganze Himmel zu! – Dazu kommt noch, daß der heilige Geist uns da in die Kirche JEsu und aus dem Reich der Finsternis ins Reich des Lichtes versetzt, daß wir in den ewigen Weinstock JEsus eingepflanzt und mit Seinem Geist und Leben begabet werden, – daß wir ein Glied an Seinem Leibe, das ist, Seiner Gemeinde, werden, daß wir mit der ganzen Gemeinde der Gläubigen eins werden, wie auch St. Paulus 1. Kor. 12, 13 rühmt: „Wir sind durch einen Geist alle zu einem Leibe getauft, wir seien Juden oder Griechen, Knechte oder Freie!“ Siehe, so kommen wir ja durch die Taufe ins Bündlein der Lebendigen, und können als Glieder Christi nimmermehr verloren werden. Siehe, was alles die heilige Taufe nützt und giebt für das ewige Leben! Und so verachtet ist sie dennoch, so vergessen, ein gewisses Zeichen, daß die Christenheit weltlich geworden ist! Mit vollem Rechte sagt Luther im großen Katechismus, 664: „Rechne du, wenn etwa ein Arzt wäre, der die Kunst könnte, daß die Leute nicht stürben, oder ob sie gleich stürben, doch bald wieder lebend würden und danach ewig lebeten, wie würde die Welt mit Geld zuschneien und regnen, daß vor den Reichen niemand zukommen könnte? Nun wird hier in der Taufe jedermann umsonst vor die Thür gebracht ein solcher Schatz und Arznei, die den Tod verschlingt und alle Menschen beim Leben erhält.“ – Ja, wahrlich! Aber wer glaubt es? Es ist der Glaube weniger Seelen Kraft und Lust! „Es ist eine Kunst,“ sagt Luther, „solches zu glauben!“


IV.

 Fragen wir nun weiter: Wen soll man taufen? und antworten, wie folgt:

 Es ist ein Unterschied zu machen zwischen Erwachsenen