Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/91

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ist dies edle Werk, daß fast alle Hauptparteien der christlichen Kirche sie als gültig anerkennen, selbst wenn der Täufer, also die taufende Kirche eine irrig glaubende, wohl auch im Punkte der Sakramente irrig glaubende ist; nur eins vorausgesetzt, daß die äußere Form der Taufe richtig nach des HErrn Einsetzung ist, – nämlich daß reines Wasser und die vorgeschriebenen Worte gebraucht werden. – Ist nun das, so ist auch die Kindertaufe gültig, wie denn auch Gott beweist, daß sie vor Ihm gültig sei, indem ER keine andere Kirche gegenwärtig hat, als aus solchen bestehend, die als Kinder getauft wurden, und sie dennoch segnet und sich zu ihr bekennt. – Was aber den Glauben der Kinder anlangt, so spricht der HErr von unmündigen Kindern und Säuglingen also: „Wer nicht das Reich Gottes nimmt, wie ein Kind“ etc. – schreibt ihnen also eine musterhafte Empfänglichkeit für das Reich Gottes zu, welches ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist, hat auch das Unmöglichscheinende an dem Täufer Johannes bewiesen, der noch im Mutterleibe mit dem heiligen Geiste erfüllt ward, daß er sich freuen konnte über die Ankunft Seines Heilandes JEsu. Wer giebt also uns das Recht, weil die jungen, des Lebens und ihrer Umgebung ungewohnten Kindlein nicht reden, noch denken wie die Erwachsenen, ihnen abzusprechen, was der HErr ihnen zuspricht? Der HErr naht ihnen im Sakrament, wie ER einst persönlich sichtbar Seine Hand auf sie legte, sie herzte und segnete, und wirkt in ihnen ein neues Leben. ER hat ihnen Sein Reich, also sicher auch Seine Taufe zugesprochen: sehet ihr scheel, daß ER so gütig ist? Oder seid ihr weiser, als ER? Oder könnt ihr beweisen, daß, was ich da sage, Trugschlüsse sind, – ihr Menschen weniger Tage, die ihr damit die Kirche seit Jahrtausenden scheltet, welche von je und je gläubig die Säuglinge zum Sakramente trug und ohne Zweifeln dabei fest stand, daß ein getauftes Kind ein wiedergeborenes Kind, ein Heiliger Gottes, ein Kleinod sei, – welche mit größter Sorgfalt darüber wachte, daß sie getauft werden möchten, damit sie nicht allein den Bund der Verheißung hätten, wenn sie eilend stürben, sondern auch den neuen Bund der Erfüllung