Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/95

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daß mit großer Zuversicht auf die Taufe der Kampf geführt werden kann, es noch nicht wage, fröhlich zu sein über die ihm gezeigte Quelle von Überwindungskraft, weil der Verstand so viel gegen eine Lehre einwende, die fast aussehe wie ein schöner Traum! Manches Herz übt sich nicht im Andenken und Danken für seine Taufe und erfährt darum keine Kraft! Es geht fort und fort schwer und nicht ohne große Sünden und vielfältige Fehle her, unter welchen nicht der geringste ist, daß man die Kräfte der heiligen Taufe so lange verachtet und nicht benutzt habe! Manche Seele spricht traurig: Mir war meine Taufe bisher gar nichts – sie ist für mich ein Schiff, das zerbrochen ist, und ich bin herausgefallen und schwimme im Meer der Welt und Sünde.

 Aber dagegen und gegen ähnliche Klagen mögen folgende Sätze reichen, gewissen Trost verleihen:

 Die Taufe ist nicht allein eine Quelle der Kraft und Stärkung für die Streitenden, damit sie wohl streiten, sondern auch eine Quelle der Tröstung für alle Sünden des nachfolgenden Lebens. Wer es treu meint, wer die Sünde haßt und dennoch häufig sündigt, wer im heißen Streit des Lebens mehr seinen Wankelmut, seine Feigheit, den Tod, die Lahmheit seiner Seele zum Guten, als die Fortschritte zum Siege erkennt, wer immer nur vor Augen hat, was noch zu überwinden ist, ohne über sich zu schauen auf die Krone, die allen denen gegeben wird, die endlich doch den Glauben bewahren bis ans Ende, der tröste sich mit seiner Taufe, er darf es! Alle Sünden werden vergeben dem, der an dem Bunde seiner Taufe und an dem Bundesgotte gläubig festhält; nur wer nicht glaubt, dem ist nichts zu vergeben, weil er keine Vergebung annimmt. In der Taufe hat Gott einen Bund aufgerichtet, der Ihn nie gereut, den ER nie verletzt, den ER treu bewahrt; denn Seine Gaben können Ihn nicht gereuen. Auch wußte ER damals wohl, was für ein Gemächte wir sind, mit wie schwachen, armen Leuten, deren Dichten und Trachten böse ist von Jugend auf, ER einen Bund aufrichtete; hätte ER an dem Orden der Sünder einen Greuel gehabt, wäre ER nicht in Christo JEsu unser geduldiger, versöhnter