Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/11

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sind, die Gemüthsleidenschaften zu erwecken, völlig herausrücken; zu dem Ende muß man die Verbindung, welche die Gemüthsleidenschaften untereinander haben, wohl verstehen, nämlich diejenigen, die man gar bald und viel leichter, als andere erwecken kann, und die zur Erregung der andern dienen können; endlich auch diejenigen, welche die größte Wirkung thun können, und mit welchen man die Rede schließen muß. Es ist oftmals gar bequem, zum Ende eine Recapitulation oder kurze Wiederholung des Inhalts zu machen, die da in wenig Worten die ganze Kraft des Redners zusammenfaßt, und das Allerbeweglichste, was er gesagt hat, wieder vor Augen stellt. Im übrigen muß man diese Ordnung nicht gar zu genau immer auf einerlei Art beobachten. Eine jegliche Materie hat ihre Ausnahme und auch ihre Eigenschaften. Hiezu kommt noch dieses, daß man auch selbst in der Ordnung eine fast unendliche Varietät oder Veränderung ausfinden kann. Diese Ordnung, die uns ungefähr so von Cicero ist angezeigt worden, kann nicht, wie ihr selbst sehet, in einer Rede, welche in drei Theile zerschnitten ist, richtig gehalten, noch in einem jeglichen Theil insonderheit beobachtet werden. So wird denn freilich eine Ordnung erfordert; aber eine solche Ordnung, die man nicht gleich beim Anfang der Rede den Zuhörern verheißt und entdeckt. Cicero sagt, es sey fast allezeit am besten, sie zu verstecken und den Zuhörer dahinzuführen, ohne daß er es gewahr werde. Ja, er sagt wohl gar mit ausdrücklichen