Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/14

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und Sorge, Verdruß und Unruhe, so viele Leidenschaften, welche von Kindesbeinen an mit dem Menschen groß werden, der Blick des Neiders, die Zunge des Verläumders, und wer weiß alle die Seelenplagen zu erzählen, welche die Erde allen Menschen zum Jammerthale macht.

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 Dennoch ist ein Unterschied zwischen den Gläubigen und Ungläubigen. Die Gläubigen sind einestheils oft elender als die Ungläubigen, wie der Apostel sagt, „die Elendesten unter allen Menschen“; nämlich wenn man auf’s Auswendige sieht. Daher darf sich auch Niemand um des äußerlichen Guthabens willen bekehren. Gott prüft die Seinigen aus Liebe am meisten im Ofen der Trübsal, um sie desto geläuterter in Sein himmlisches Freudenreich aufzunehmen; außerdem haben sie die ganze Welt wider sich sammt dem Teufel und ihrem Fleische, deren einstimmiger Beschluß es ist, die vor allen Andern zu quälen, welche Christo von ganzem Herzen leben wollen. – Im Gegentheil scheint die Welt im Aeußerlichen oft glücklich zu seyn. Ihre Kinder leben dahin ohne Leiden, sterben auch oft so leicht, als giengen sie in die Ruhe Gottes ein. Oder wenn auch das nicht ist, so haben sie doch oft scheinbar viel weniger Leiden, als die Christen, und nehmen auf Erden alles Gute dahin. – Indeß bleibt der große Unterschied, daß die Gläubigen auch im tiefsten Leiden dennoch eine Freude, die Ungläubigen im Taumel aller Freude doch nur ein ungesättigtes, in seiner innersten Tiefe unglückliches Herz haben. Biete einem Gläubigen, der wie Lazarus in Schwären auf der harten Straße liegt, das Leben des reichen Mannes, der alle Tage herrlich und in Freuden lebt, er wird nicht tauschen mögen. Er hat den Frieden Gottes im Herzen, dazu Gerechtigkeit und Freude des heiligen Geistes; wenn sein Leiden den ganzen Leib einnimmt, so zieht sich die Freude desto inniger in die Tiefe seines Herzens zurück; er ist glücklich im Sturm der Zeit, denn er liegt an Jesu Christi Brust. Dagegen sind