Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/16

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Freundschaft ist Gottes Feindschaft. Jac. 4, 4. Du bist der Welt Freund und Gottes Feind; darum darf dich das Netz des Fluchs heimlich umgarnen, und wie leidend du bist, wirst du erst erkennen, wenn es zusammengezogen wird – wenn die langverborgene Krankheit ausbricht, und das Fieber des ewigen Todes dich in dumpfer Stille hinnimmt! O sagt mir nichts vom Glück der Welt, ich will lieber christlich leiden im Frieden, als mit der Welt mich freuen, während mich Gottes Fluch verfolgte. Leiden trifft ja doch einmal auf Erden alle, Christen und Unchristen, sie spüren es oder nicht; so will ich doch lieber mit den Christen spürbar leiden; denn die geheimen, unspürbaren Leiden sind doch die schrecklichsten.

 Indeß nicht allein der Mensch leidet, nach der Lehre unserer Epistel leidet auch die ganze Creatur, d. i. die ganze Natur, die ganze Schöpfung. „Aengstlich harrt sie, ist unterworfen der Eitelkeit und dem Dienst des vergänglichen Wesens, sehnt und ängstet sich immerdar,“ – das sind die Worte unsers Textes. Eine Lehre freilich, ganz verschieden von der Ansicht, welche die Welt über Natur und Schöpfung hat.

 Zwar, das läugnen wir nicht, daß die Schöpfung trotz aller Unvollkommenheit, welche seit Adam, und trotz der Verderbniß, welche seit der Sündfluth über sie gekommen ist, noch immer viele Lieblichkeiten hat, die Aug und Ohr und Herz erquicken; aber dagegen müssen wir uns setzen, daß Christen von der Schönheit der Natur in solchen Ausdrücken, in solcher Hingerissenheit reden, als wäre nirgends jenes Sehnen und Seufzen offenbar, von welchem unser Text spricht. Schau’ einmal dem Thiere in’s stumme freudenlose, fragende Auge, betrachte, wie ganz anders sein Lebenslauf ist, wie völlig anders seine Freude, als sie in Gottes Nähe seyn würde, wie es im Dienst der Vergänglichkeit sein Leben beginnt und endet; ist dir das Seufzen und Sehnen nicht klar? Sieh’ die leblose Natur mit nüchternem