Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/20

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

gehört insbesondere auch nach unserm Texte die „Freiheit der Kinder Gottes.“ Hienieden sind wir, selbst wenn wir Gutes wollen, doch eingeengt von allerlei bösem Willen und Gewalt, als da ist des Satans, der Welt und unsres eigenen Fleisches verderbter böser Wille. Wir thun nicht, was wir wollen, und wollen nicht, was wir thun. Wir können uns nicht frei bewegen in Gottes gutem Willen. Wenn aber der Herr kommt, dann wird er uns gänzlich frei machen, dann werden wir neugeboren an Leib und Seele vor Gott stehen, wollen und können, was Gott uns gebietet, ja im Guten befestigt seyn, und nichts anders vermögen, als Gutes; Gottes Wille wird auch unser Wille seyn, und wir werden dem heiligen Lamm Gottes mit Lust und Freude nachfolgen, wohin es geht. Das wird unsre Freiheit seyn, die uns kein Satan mehr wird in Ketten legen, oder in Fesseln schlagen dürfen. – In diesem Antritt der Kindschaft Gottes wird auch mit begriffen seyn, was unser Text die „Offenbarung der Kinder Gottes“ nennt. Hier auf Erden haben Christen nur ihre verborgene Herrlichkeit, ihr Leben ist mit Christo verborgen in Gott, sie wandeln in Dornenkronen und tragen Kreuz wie ihr Herr, sie werden verspottet und verhöhnt, sind verachtet und nichts in der Welt. Wenn aber Christus die Todten auferwecken wird, dann werden alle die Seinen zu Seiner Rechten stehen, und die zahllosen Schaaren der Ungläubigen werden die Herrlichkeit der Kinder Gottes schauen; die sie hier als Abschaum und Auskehrigt geachtet haben, werden sie sehen unter Jesu Flügeln selig wohnen und Seiner ewigen Liebe sich erfreuen. Das wird die Offenbarung der Kinder Gottes seyn.

.

 Was aber jene Herrlichkeit vollenden wird, ist das: daß auch die vernunftlose, ja die leblose Natur uns in diese Herrlichkeit nachfolgen wird. Zuerst zwar wird sie uns gleich werden in unserm Tode; denn wir wissen, daß die Himmel vergehen werden mit großem Krachen und die