Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/21

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Elemente vor Hitze zerschmelzen, und die Erde und die Werke, die darinnen sind, verbrennen (2 Petr. 3,10–12). Dann wird Himmel und Erde wüst und leer seyn, wie ein Modergrab. Aber gleich wie wir nicht ewig von der Verwesung gebunden waren, so wird auch die Welt nicht im Tode bleiben; sondern der unsern Leichnam auferweckt hat zum ewigen Leben, wird auch den Leichnam der Welt aus dem Tode erwecken und erneuen. Aus dem Keime der verbrannten Welt wird der Herr einen neuen Himmel und eine neue Erde hervorbringen (2 Petr. 3, 13), gegen welche aller Glanz der vorigen Schöpfung seyn wird, wie die Nacht gegen den Tag. Da wird die Sonne nicht mehr untergehen, sondern sammt Mond und Sternen leuchten in einem Glanze, den kein sterbliches Auge verträgt, dann wird die Erde ein Garten Gottes seyn, und der Herr Herr wird sie den Seinen zum Ruheort für alle Ewigkeit ausschmücken, mit einer Pracht und Freuden, für welche es in dieser Welt keine Sprache giebt. Dann wird die Erde eine schöne Braut des Himmels seyn, und man wird nicht mehr sagen: „Himmel und Erde“, sondern die Erde wird selbst zum Himmel gehören; sie wird der schönste unter allen Sternen seyn, und alle andern Sterne werden sich gleichsam leuchtend und bewundernd um sie drehen; sie wird Ehre haben vor allen Sternen, denn das himmlische Jerusalem wird sich auf sie herniederlassen, und das Lamm Gottes auf ihr wohnen und Seine Schafe auf ewig grünen Auen weiden. Dann wird der Tiger seinen Grimm verlieren und die Schlange ihr Gift, der Basilisk seinen Stachel. Alle Thiere werden dem Menschen sanftmüthig dienen, die ganze Creatur wird Theil haben an der Herrlichkeit der Kinder Gottes, nichts mehr wird vergänglich, nichts mehr eitel seyn, alles unsterblich durch die Hand des Herrn. Erkenntniß wird die Erde bedecken, wie Wasser das Meer bedeckt, Friede wird sie umfahen wie die Luft, und wonnevolle Gottesdienste werden gefeiert werden, von