Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/24

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

gegeben ist im Himmel und auf Erden, bei dem unsichtbar Nahen, einzigen Erlöser und Hirten, der einst starb und jetzt ewig lebt, um Alles selig zu machen, der keinen von sich stößt, welcher Ihn betend sucht, der dem Schächer das Paradies, dem Petrus, welcher Ihn zuerst verläugnet, die Schlüssel des Himmelreichs und allen verirrten Schafen das ewige Leben zu geben willig und bereit ist!

.

 Ihr aber, die ihr das Zeugniß des heiligen Geistes im Herzen traget, daß ihr Gottes Kinder seyd, die ihr mühselig und beladen zu Jesu Christo kamet, bei Ihm Ruhe für eure Seelen fandet, und nun in stillem Frieden sprechet: „Ich weiß, an wen ich glaube“; fürchtet euch nicht vor allen Meereswellen, die sich wider euch erheben, glaubet nur! Denn nachdem euer Glaube bewährt ist bis an’s Ende, werdet ihr auch die Krone des ewigen Lebens erndten. Wird die Natur in ihrem Seufzen, in ihrem schweren Dienste des vergänglichen Wesens aufrecht erhalten durch geheime Hoffnung auf den Tag eurer herrlichen Offenbarung, so stärket ihr um so mehr durch solche Hoffnung im guten Kampf die müden Hände und die strauchelnden Kniee, denn euch ist nahe der Herr, von welchem Hülfe und Stärkung zu euch ausgeht. Sehet auf Ihn, den Anfänger und Vollender eures Glaubens, und freuet euch der Hoffnung, welche euch aufgehoben ist hinter dem Vorhang, durch welchen Er selbst euch voran nach schwerer Erlösungsarbeit zur Ruhe eingegangen ist. Hoffet nur, es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. Solche Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden. Der Blick auf die neue Erde und auf den neuen Himmel, und auf die ewige Freude versüßt euch die kurze zeitliche Mühsal und den Schweiß des Angesichtes. Euch gebühret um so mehr in dem verordneten Kampfe Treue zu beweisen, weil nicht allein die Hoffnung vor euch, euch hinanwinkt, sondern ihr überdieß des Geistes Erstlinge in euch traget, weil