Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/28

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 Mein Gott, züchtige und demüthige mich Du! Ich weiß ja, daß ich nichts bin, als ein armer, unwerther Sünder, auch noch nie eine Predigt ohne Sünde gethan habe. Aber siehe Du dennoch in Christo Jesu gnädig auf mich und diese meine Zuhörer, auf daß wir selig werden, ich sammt denen, welche Dein Wort aus meinem Munde hören! Amen.




 1. „Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reissende Wölfe“ spricht der Herr. Er redet also für’s Erste von denen gar nicht, welche sich als offenbare, reissende Wölfe geberden, welche ohne allen Schafpelz und Bemäntelung sich für das geben, was sie sind. Wider diese gleichsam ehrbaren Wölfe predigt Christus hier nicht: das Geheul aus ihrem Munde predigt genugsam und wer vor ihnen fliehen will, der kann es. Sie sind wie Aussätzige, welche schon von weitem durch Wort und Geberde ihr: „unrein! unrein!“ kreischen, – wie ein Regen, dessen Wolken man lange vorher sieht – wie Sümpfe, welche ihren Geruch weit genug um sich her verbreiten. –

 Solche reissende offenbare Wölfe sind diejenigen, welche zwar der Kirche Brod essen, aber gar kein Geheimniß daraus machen, daß sie den Glauben der heiligen Kirche und des göttlichen Worts nicht für Wahrheit achten, welche es gerade heraus sagen, daß sie selbigen für Aberglauben, für Lug und Trug achten. Diese sagen zu Jesu nicht mehr: „Herr, Herr!“ – weissagen und predigen auch nicht mehr in Seinem Namen, sondern im Namen ihres eigenen, verderbten, aufgeblasenen Herzens. Sie thun ihre Thaten nicht mehr in Seinem Namen, nicht Er mehr, sie selber sind sich letzter Zweck; – nicht Seine, ihre eigene Ehre suchen sie. Die edelsten Glaubenslehren verhöhnen sie, Blut und Wunden sind ihnen zu Spott und Hohn, sie