Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/42

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Stärke uns mit Deinem Worte, wie mit Morgenbrod! Um Deiner unergründlichen Liebe willen! Amen.




 Achtzehnhundert Jahre sind vorüber, meine Lieben, seitdem unser treuer Heiland, Jesus Christus, mit dem Wort: „Es ist vollbracht“ das Werk der Versöhnung vollendet hat. Der himmlische Vater ist nun versöhnt und wartet seitdem mit ausgebreiteten Armen auf die Rückkehr der verlornen Kinder. Seine Knechte gehen seitdem in die Welt aus, um allen Völkern das edle Wort von der Versöhnung zu predigen, und jede Seele insbesondere zu bitten: „Laß dich versöhnen mit Gott! Sieh’, Gott ist versöhnt, nimm doch du auch die Versöhnung deines Vaters an!“ Aber die Welt hört die selige Botschaft nicht; die breite volle Straße lachet ihrer, nur wenige treten von ihr ab, und suchen statt der Träber dieser Welt den reichen Tisch des Vaters. Welt bleibt Welt, bis an’s Ende der Tage; der himmlische Vater ist und bleibt auch barmherzig und gnädig über dieser elenden Welt bis an’s Ende der Tage, gebietet auch Seinen Dienern bis an’s Ende der Tage zu bitten und zu predigen: „Lasset euch versöhnen mit Gott!“ So will denn auch ich heute dies Gebot des himmlischen Vaters bei euch ausrichten und predige auch in Seinem Namen und an Christi statt: „Lasset euch versöhnen mit Gott!“

 Ich bitte an Christi statt: „Lasset euch versöhnen mit Gott“: denn


1.

 Wäre die Versöhnung nicht geschehen, wie wünschenswerth wäre sie, und wie lieblich muß sie seyn, nachdem sie geschehen ist! – Darüber höret, was nun folgt.

 Die Welt träumt zwar, als könne Gott nicht zürnen, weil sie keinen andern, als einen sündlichen Zorn kennt,