Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/46

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daß alles Gold und Silber der Welt nicht nütze gewesen wäre, Gott zu versöhnen. Denn wahrlich Silber und Gold sind Sein, was will man ihm das Seine geben, um Seinen gerechten Zorn zu stillen? Es steht geschrieben Ps. 116, 15.: „Der Tod Seiner Heiligen ist werth gehalten vor dem Herrn“, und doch konnte kein Bruder den andern von Gottes Zorn erlösen, und wenn er gleich sein Leben in den Tod gegeben, und sein Herzblut verspritzt hätte: „es kostet zu viel“ Ps. 49, 9. Ein Blutstropfen ist mehr werth als alles Gold und Silber der Welt, denn Blut ist Lebenssitz. Und doch, alle unzähligen Blutstropfen der zahllosen Menschen reichen nicht hin, für Eine Seele genug zu thun, Einer Seele Gottes Frieden zu erwerben. Denn Er zürnt über alles Blut, und kein Blut ist rein und tauglich, für uns vergossen zu werden. – Die Engel sind heilig und stark, aber kein Engel kann das Werk der Versöhnung auf sich nehmen. Was von ihnen geschrieben stehet, ist: „Sie sind allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um dererwillen, die ererben sollen die Seligkeit.“ Ebr. 1, 14. Dienen können sie, Handreichung können sie thun, aber sonst nichts, versöhnen können sie nicht; singen können sie zum Lobe der Versöhnung, freuen können sie sich, wenn sich die Sünder versöhnen lassen mit Gott; aber alle ihre Heere vermögen nicht, auch nur Eine Seele von Fluch und Feindschaft zu befreien, da stehen sie am Ende ihrer Macht.

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 Keine Creatur vermag Frieden zu stiften, Gott und Menschen zu versöhnen. Wohl steht geschrieben, Matth. 5, 9: „Selig sind die Friedfertigen, d. i. die Friedensstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen“, aber unter Menschen und Engeln fand sich kein solches Gotteskind, welches zwischen Gott und uns hätte Frieden stiften können. Da trat aus der Seligkeit des höchsten Himmels, aus dem Lichte, in welchem Gott wohnt, wohin kein Mensch kommen kann, ein Friedfertiger heraus: selig ist dieser