Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/51

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Mittwoch, den 30. Julius 1834.
2 Cor. 5, 20.
Lasset euch versöhnen mit Gott.




Und wenn ich die ganze Bibel aussuchte, einen edleren, für euch Alle nothwendigeren, dringenderen, innigeren Text könnte ich nicht finden. Ja ich bin überzeugt, wenn ich in den Himmel stiege, und fragte eure seligen Vorfahren, Großeltern und Eltern, dazu alle heiligen Engel, welchen Text ich nehmen müßte, wenn ich’s mit euren Seelen am besten meinete; sie würden mir keinen besseren sagen können, als den. Noch mehr! Wenn ich heute zum letzten Male predigte, und mir gesetzt wäre, nach dieser Predigt zu sterben, und vor meines Herrn Stuhl zu treten; wenn ich euch darum das Köstlichste sagen, die nöthigste Vermahnung geben wollte; wenn ich in der Verlegenheit meiner Seele durch des Geistes Kraft entzückt würde bis in den dritten Himmel, und fragete Den, Der eure Seelen mehr liebet, als ein Mann seinen Augapfel, Jesum Christum: „Herr, was soll ich diesem Volke zuletzt noch predigen, daß ich Deinen Willen thue?“ ich glaube mein Herr und Meister würde zu mir sprechen: „Bitte sie an meiner Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott!“ – Nun denn, anstatt des für euch und mich getödteten Lammes Gottes bitte ich euch auf das innigste: „Lasset euch versöhnen mit Gott!“ und ich setze hinzu im Namen ebendesselben lieben Herrn: Sehet, es ist alles bereit! Die Versöhnung ist