Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/57

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predigte: „Den sollt ihr hören!“? Matth. 17, 5. Wahrlich, es ist zum Verwundern, welche Zeugnisse der Unglaube umzustoßen wagt! Irgend eine weltliche Geschichte, wenn sie auch nur den zehnten Theil von der Gewißheit dieser Geschichte hat, findet vollen Glauben in der ganzen Welt, nur das ewig Tröstliche, welches doch unumstößlich ist, soll nicht bestehen! Eine Zeitungsnachricht, noch so unverschämt erlogen, findet ihren Glauben – und das Wort des lebendigen Gottes, das auf dem Plane stehen bleibt, während alle Seine Feinde einer nach dem andern zu Staub und Moder werden, das soll lügen! Das sage, wer da will: ich gehe zu der Mutter Kirche, und bete mit ihr die ewige Liebe an, welche des Einigen Sohnes nicht verschont hat, sondern hat Ihn in den Tod gegeben. – Ist aber Jesu Tod überhaupt gewiß, was soll es für ein anderer Tod seyn, als ein Versöhnungstod? Ist etwa Christus eines solchen Schicksals werth gewesen? War Er ein Sünder, wie wir? War Er nicht vielmehr heilig und unschuldig, von aller Sünde, ja von den Sündern abgesondert? Wenn Er aber den Tod nicht verdient hat, wenn Er nicht schuldig gewesen ist, ihm den Sold zu zahlen: was soll denn Sein Tod für einen Zweck haben, als den, für uns, an unserer Statt den Sündensold zu zahlen? Ja, uns mit dem Vater auszusöhnen, nimmt der heilige und geliebte Sohn Gericht und Fluch und Strafe und Tod der Sünde auf sich. „Er ist um unsrer Missethat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen, die Strafe lag auf Ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch Seine Wunden sind wir geheilet.“ Jes. 53, 5.

 So ist’s denn wahr, was die Kirche singt:

Er hat vollbracht für Alle!

Alle Feindschaft ist weggenommen, die Todeswunden Jesu sind uns Bürgen der geschehenen Versöhnung. Wenn die Gläubigen sich schlafen legen, oder wenn sie zu Grabe gehen,