Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/58

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können sie, das Haupt niederlegend, den Spott der Welt vergessend, getrost singen, wie unsre Väter:

Ich lege mich in Jesu Wunden,
Wenn ich mich leg’ zu meiner Ruh’,
Ich bleib im Schlaf mit Ihm verbunden,
Er drücket mir die Augen zu.
Ich fürchte nicht die finstre Nacht,
Weil Jesus um mein Bette wacht.

 3. Mit den angeführten Beweisen unsrer Versöhnung könnte sich ein glaubenswilliges Herz freilich ganz beruhigen. Aber Gott, der unsre Schwachheit und die Trägheit unsers Herzens zum Glauben kennt, hat uns in Seinem Worte noch manchen andern Beweis aufgehoben. Aus Vielem sey mir nur vergönnt, noch Folgendes zu sagen.

 Ewigen Preis verdient die Weisheit unsers Herrn Jesu Christi, welcher die Hauptlehren Seines Evangeliums durch Seine beiden Sacramente zum Trost des schwachen Glaubens verherrlicht und bis an’s Ende der Welt unaustilgbar gemacht hat. Die Kirche Gottes kann nicht untergehen und so lange sie lebet, wird man taufen: jeder Täufer aber lehrt die große Lehre von dem dreieinigen Gott, so oft er die Taufformel ausspricht, – und so oft er ein Kind untertaucht oder besprengt, giebt er im Namen Gottes und der Kirche Zeugniß von dem Verderben des Menschen und seiner Erlösung. Im Sacrament des Altars aber wird besonders die theure Lehre von der Versöhnung bekannt. Bei jeglichem Abendmahle müssen dem Stifter die Worte nachgesprochen werden: „Für euch gegeben, für euch vergossen zur Vergebung der Sünde“. – Worte, die in Ewigkeit kein Nüchterner anders, als von einer Aufopferung Jesu anstatt unser, – keiner anders, als von Versöhnungsleiden Jesu verstehen kann!

 Bei jedem Abendmahle muß der Diener des Altars dem Stifter nach bei Austheilung der heiligen Gaben