Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/76

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und Liebkosen einer ohnmächtigen Hand, aus dem man weiter nichts, als das arme, trostlose Mitleid des Liebkosenden erkennen kann? Welchen Grund hätte die Welt, die Trauernden damit zu trösten, sie, die nur von allerlei veränderlichem Wind der Lehre, Schalkheit und Täuscherei der Menschen herumgetrieben wird? Armer, bodenloser Trost – und dreifach armes Herz, welches mit solchem Trost sich genügen, mit Wind seinen Hunger nach Erquickung statt stillen, ersticken lassen muß!

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 Ganz anders tröstet die Kirche Gottes. Ihr Trost ist ein wahrer Trost, weil er aus Gottes ewigem und zuverlässigem Wort genommen ist, und weil die Kirche weder mehr, noch weniger zu trösten begehrt, als Gottes Weisheit in Seinem Worte Trost darreicht. – Eben darum aber, weil der Trost der Kirche ein wahrer Trost ist, ist er auch in seinem Maaß verschieden, je nachdem der Verstorbene gewesen ist, über den sie tröstet. Ist ein Mensch bis an sein Ende ein Verächter der alleinseligmachenden Lehre und eines heiligen Lebens geblieben; so kann die Kirche für einen solchen nur wenig Trost darreichen. Wer für solche Todte zu viel Hoffnung gäbe, würde den Leichtsinn des Weltmenschen begünstigen, der sein schreiendes Gewissen gerne damit tröstet, daß auch in der letzten Noth noch möglich sey und Zeit genug, Bekehrung zu suchen. Die Bekehrungen in den letzten Stunden aber sind selten und haben in der heiligen Schrift nur ein einziges Beispiel, nämlich das des Schächers. – – Weil jedoch dergleichen späte Bekehrungen allerdings nicht unmöglich sind; so darf man auch denen, welche scheinbar in Unglauben Verstorbene beweinen, nicht gar alle Hoffnung abschneiden. Das schwache Trostlicht, welches Gottes Wort für solche Todte übrig läßt, nimmt auch die Kirche Gottes nicht weg, und ist bescheiden im Urtheil über sie, weil sie nicht wissen kann, was zwischen einer Seele und ihrem Heiland noch in der letzten Stunde vorgegangen ist. Ein