Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/108

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der Schuld und göttlichen Strafe anheim gefallen sind. Büßt Seine heilige Seele mit allem, was man Seelenleiden nennen kann, die Sünden unserer Seele, so muß Sein Leib in die Theilnahme der Leiden eingehen, um die Mitgenoßenschaft unserer Leiber an unserem Sündenleben zu büßen und zu bezahlen. Ein Leib, der nicht versöhnt ist, kann weder die Strafen der Ewigkeit vermeiden, noch kann er in die ewige Herrlichkeit Gottes eingehen. Alles, was in dem ewigen Reiche Gottes leben, blühen, grünen und Frucht tragen soll, muß vor allen Dingen versöhnt werden. – Die Versöhnung geschieht durch Opfer. Nun ist es jedermann bekannt, seitdem Johannes mit Fingern auf das Gotteslamm gezeigt hat, daß JEsus Christus unser einiges Opfer ist, und daß Er mit Seinem einigen Opfer in Ewigkeit alle vollendet hat, die geheiligt werden, daß Er sich durch den heiligen Geist selbst geopfert hat, und daß wir also bei Betrachtung Seiner den Gedanken des Opfers nie zurücktreten, sondern immer hervortreten laßen müßen. Was hat Er aber geopfert? Sich selbst, antwortet uns die Schrift. Ist aber das der Fall, so kann doch beim Opfer Sein Leib nicht fehlen, so wenig, als bei Seiner Person: Er selbst ist doch kein anderer, als der Christus, Deßen göttliche Natur eine vollkommene Menschheit, also Leib und Seele an sich genommen hat. So hat Er also auch Leib und Seele geopfert. Geopfert aber heißt nichts anderes, als in den schmerzenreichen Tod gegeben, und es sind daher die schmerzenreichen Todesleiden JEsu Opferleiden, und zwar nothwendige, denn es ist zweifellos anzunehmen, daß den HErrn von allen Seinen Leiden nichts getroffen haben würde, wenn es nicht nothwendig gewesen wäre. Daher auch jedes Ach und Weh, jeder Seufzer,