Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/117

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geht, ins Paradies dahinfährt, und zur Anbetung der Seligen gelangt.

 Nachdem wir uns also die äußerliche Art und Weise des sechsten Wortes JEsu Christi vergegenwärtigt haben, schicken wir uns an, das Wort selbst zu betrachten. Wir werden dabei am besten thun, wenn wir den gesammten Inhalt deßen, was zu sagen ist, als Beantwortung zweier Fragen faßen. Die erste Frage ist diese: Welches ist der Sinn des Wortes JEsu: „es ist vollbracht.“ Die zweite lautet: Was folgt aus diesem Worte? Diese Fragen sind wie sehr einfache Rahmen, die einen großen Inhalt und reiche Bilder umfaßen sollten, oder wie arme, geringe Pforten, durch welche man nichtsdestoweniger in Paradiese eingehen kann, eine Bemerkung, die ich nicht mache, um meine eigene arme Zuthat zu dem großen Inhalt anzupreisen, sondern welche im Gegentheil mit einem tiefen Bewußtsein meiner Unfähigkeit und unter herzlicher Anrufung einer höheren Hilfe geschieht. Ich weiß, zu welchem Hauptgedanken ich eure Seelen kraft des sechsten Wortes JEsu führen soll; ich weiß, daß in dem einfachen sechsten Worte eine Welt, ja ein Himmel voll Seligkeit ausgeleert wird, aber HErr Gott, wie mach ichs, wie red ich, daß wir zum Hauptgedanken also gelangen, wie es desselben würdig ist, und daß wir am Ende bei demselben mit Frucht und reichem Segen angelangen. Da helfe der Meister göttlicher Gedanken und verleihe aus Seiner Fülle Licht und Kraft. Amen.

 I. Indem wir nun zuerst das Wort: „Es ist vollbracht,“ ansehen, finden wir, daß einige Verse vorher, Vers 28, vor dem Worte des HErrn „Mich dürstet“ St. Johannes einleitend