Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/121

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seien alle und jede auf Ihn bezügliche Weißagungen vor dem Eßigtrank erfüllt worden. Erinnern wir uns nur an jenes in der Offenbarung beschriebene Buch mit sieben Siegeln, welches lauter Weißagungen auf Christum enthält, die über den Charfreitag hinaus und in die Zeit der herrlichen Regierung unseres Königs Christus im Himmel hinein reichen. Der HErr hat mit Seinem Worte „Es ist vollbracht“ ganz offenbar nicht gesagt, was er nicht gesagt haben kann. Somit hätten wir also diesem, Seinem Worte Grenzen gesteckt, aber ob völlig richtige, das ist die Frage. Meint der HErr wirklich mit Seinem sechsten Worte bloß die Weißagungen, die sich auf Seine irdische Zeit bis zum Eßigtrank beziehen, oder geht es etwa hier auch, wie bei der Himmelfahrt, wo wir lesen, daß Er, das Urbild aller Hohenpriester, den Seinen den Segen spricht, ehe Er in das Heiligthum eingeht, während Er ihn doch nur in Kraft Seines Eingangs und der dort vollendeten Geschäfte sprechen kann? Greift nicht der HErr auch hier voraus in bester Absicht, aus Barmherzigkeit, zum Trost der Seinen? Müßen wir nicht annehmen, daß in Sein großes Wort: „Es ist vollendet,“ der letzte Theil Seiner großen Thaten und Leiden, das große Ende des ganzen Lebenslaufes, nemlich der Tod selbst, mit eingeschloßen sei? Es ist ja so einfach, anzunehmen, daß der HErr Sein Vollbringen selbst verkündigen wollte, und wenn Er es nun einmal wollte, es in keiner anderen Weise thun konnte, als vor den letzten Todesaugenblicken, weil nach dem Tode Seine Lippen gegen die Sterblichen schweigen, bis Er wiederkommt. In der That, meine Brüder, ich kann mir das Wort JEsu nicht denken, es sei denn auf diese Weise: nicht über dies irdische Leben hinaus,