Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/124

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es ihm nun gälte, darum griff er hitzig an, es gab, ach welch einen Streit und Strauß! Wer könnte die sechs letzten Stunden und was in ihnen geschehen ist, darlegen und faßen! Aber was auch in der Finsternis am Kreuze den Menschen verborgen geschehen ist, es ist geschehen, der am Kreuz hat gewonnen, Sein gequältes Herz wird von Siegsgefühl durchströmt, es gilt nur noch eins, nemlich sterben, und da vollendet und vollbringt Er also Seinen ganzen Sieg, indem Er in des Todes Rachen springt und diesen Siegessprung mit Seinen Worten verkündigt: Es ist vollbracht. Bisher war es still im Himmel, nun aber geht freudiges Beben durch die ganze Welt, und es bereitet sich ein neues Lied der Himmel, und die Heerschaar der Ewigkeit schickt sich an, nun nicht mehr allein Den zu verherrlichen, der auf dem Stuhl sitzt und die Welt erschaffen hat, sondern auch das Lamm, das erwürget ward und hat uns Gott erkauft mit Seinem Blute. Von diesen Augenblicken an schreiben sich jene wunderbaren entzückenden Gottesdienste der Ewigkeit, die Johannes nach dem vierten und fünften Capitel seiner Offenbarung im Geiste hörte, die da ewig währen, und die am Ende ewig nichts anders sein werden, als das dankbare und unauslöschliche Echo aller Kreaturen auf den Ruf des großen Erlösers: „Es ist vollbracht.“

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 II. Schon im alten Testamente, meine lieben Brüder, ist das Himmelreich einem Mahle verglichen, von dem die Fetten auf Erden und die Elenden eßen sollen, die einen wie die andern. Dies Gleichnis ist auch in das neue Testament übergegangen. Erinnert euch an das, was der HErr vom großen Abendmahl sagt, wie Er die vorausbestimmten Gäste mit den Worten einladen läßt, seine Ochsen und sein Mastvieh seien geschlachtet,